/ 22.06.2013
Norbert Nicoll
Hat die Zukunft eine Wirtschaft? Das Ende des Wachstums und die kommenden Krisen
Münster: Unrast 2011; 177 S.; 14,- €; ISBN 978-3-89771-512-7Bei diesem Buch handelt es sich um eine Essaysammlung; die Texte stammen aus den Jahren 2009 und 2010 und problematisieren aus verschiedenen Perspektiven allesamt das „Wachstumsparadigma“ (9). Dabei erhebt Norbert Nicoll keinen Anspruch auf strenge Wissenschaftlichkeit, sondern versteht seine Publikation als politische Schrift. Für das Verständnis der Argumentation sind die Verbindungen des Autors zu ATTAC sowie die Programmatik des Unrast-Verlages als Mitglied der „assoziation Linker Verlage“ (aLiVe) von Bedeutung. Der Autor fragt, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschheit ihre natürlichen Lebensgrundlagen bereits so zerstört hat, und in welche Richtung diese Entwicklung weitergehen wird. Er will „keine fertigen Lösungen“ bieten. Vielmehr analysiert er „den Entwicklungspfad der modernen Zivilisation mit einem kritischen Einschlag und offeriert insofern Zukunftswissen“ (11). Dieser Ansatz ist ehrenwert, aber jedoch nicht wirklich neu – denkt man an ähnlich breit angelegte Studien wie den Stern-Report oder die Analysen des Club of Rome. Denn auch diese problematisieren Energie- und Umweltfragen als zentrale Zukunftsherausforderungen der Menschheit. Insofern liefert Nicoll vor allem eine weitere umfangreiche Zusammenschau gegenwärtiger Krisenentwicklungen. Mit Blick auf die allgemeine öffentliche Fokussierung auf die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise ist es verdienstvoll, auch andere Stränge der „multiplen Krise“ (13) wieder ins Gedächtnis zu rufen. Allerdings reiht Nicoll dabei stellenweise unzählige Einzelaspekte – gespickt mit empirischem Zahlenmaterial – aneinander, um so den Lesern die bereits bestehenden Bedrohungslagen plastisch vor Augen zu führen und diese entsprechend wachzurütteln. Nicoll selber problematisiert zugleich diese Art von „Alarmismus“, da dieser für einen Autor immer die Gefahr berge, „leicht als Spinner oder Nervensäge abgestempelt“ (16) zu werden. Im Interesse der Sache setzt er sich über solche Bedenken hinweg. Immer wieder kehrt der Autor zur Ressourcenfrage zurück, die er geschickt mit einer Infragestellung der neoliberalen Produktions- und Wachstumslogik verknüpft. Insgesamt erweist sich die gut verständliche Darstellung als eine kapitalismuskritische Argumentationssammlung, die sicherlich in dem einen oder anderen globalisierungskritischen Diskurs als Diskussionshilfe dienen wird. Neue Ideen liefert Nicoll jedoch nicht.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.2 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Norbert Nicoll: Hat die Zukunft eine Wirtschaft? Münster: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34245-hat-die-zukunft-eine-wirtschaft_41103, veröffentlicht am 17.01.2013.
Buch-Nr.: 41103
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Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
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