/ 21.06.2013
Andrea Fleschenberg / Claudia Derichs
Handbuch Spitzenpolitikerinnen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008; 247 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-531-16147-1Lediglich in 13 von 193 Ländern stehen Frauen als Staats- und Regierungschefinnen an der Spitze, das entspricht einem Anteil von 6,7 Prozent. Daher sprechen die Autorinnen von einem weltweiten „geschlechtsspezifischen Demokratiedefizit“. Frauen gelten im politischen Bereich noch immer „als Ausnahme von der ‚männlichen Regel’, d. h. vom männlich-dominierten und androzentrischen Politik(er)modell“ (14), lautet die Erkenntnis aus einem zweisemestrigen Lehrforschungsprojekt an der Universität Duisburg-Essen, an dem sich Studierende der Sozial- und Politikwissenschaften mit dem Phänomen weiblicher politischer Führung in einem internationalen Vergleich befassten. Neben der Auswertung von Biografien, Literatur, Umfragen und Internetauftritten von Spitzenpolitikerinnen zogen sie quantitative Vergleichsindikatoren zur Messung von Geschlechterunterschieden und politischen Teilhabechancen heran. Die Autorinnen nahmen Asien, das sub-saharische Afrika, Europa, den Nahen und Mittleren Osten, Südamerika und die Karibik in den Blick und fragten nach den sozioökonomischen, institutionellen und kulturellen Faktoren, die die politische Partizipation von Frauen und schließlich auch ihren Erfolg ermöglichen. Als einen der Hauptgründe für die geringe Repräsentation von Frauen identifizierten sie traditionelle Geschlechterrollen und deren Auswirkungen auf Verhaltenskodizes von Frauen. Die patriarchale Kultur trage dazu bei, politische Parteien über das gesamte ideologische Spektrum hinweg „als weitgehend maskuline Bastionen zu bewahren und Werte wie Autorität und Macht als männliche Attribute zu definieren“ (14). Auch die Einstellungen zur Gleichstellung von Mann und Frau in den politischen Parteien und die politische Kultur der Mehrheitsgesellschaft seien entscheidend. Da der Rekrutierungsprozess in den Parteien durch Normen geprägt sei, die sich zumeist an einem männlichen Politik(er)modell orientierten, werde damit das gender-spezifische Demokratiedefizit fortgeschrieben. Dieses flüssig geschriebene und übersichtlich gegliederte Handbuch sei allen empfohlen, die sich einen Überblick über weibliche Führungseliten verschaffen wollen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22 | 2.27 | 2.61 | 2.63 | 2.65 | 2.67 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Andrea Fleschenberg / Claudia Derichs: Handbuch Spitzenpolitikerinnen Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29607-handbuch-spitzenpolitikerinnen_35050, veröffentlicht am 27.01.2009.
Buch-Nr.: 35050
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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