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/ 22.06.2013
Silke Schielberg

Grenzen regionaler Kooperation an der EU-Außengrenze. Die Beziehungen der russischen Region Kaliningrad zu ihren polnischen und litauischen Nachbarn

Berlin: Lit 2010 (Kieler Schriften zur Friedenswissenschaft 16); 381 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-11019-0
Politikwiss. Diss. Gießen; Gutachter: H.-M. Birckenbach, D. Eißel. – Der Prozess der europäischen Integration hat die Zusammenarbeit nicht nur der EU-Mitgliedsstaaten befördert, sondern auch die über die Außengrenzen hinaus. Schildberg greift in ihrer Analyse die entsprechenden grenzüberschreitenden Beziehungen der Enklave Kaliningrad heraus. Diese sind geprägt durch Asymmetrien, die durch unterschiedliche wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklungen in Ost- und Westeuropa entstanden sind. Die Autorin fragt daher, was Kooperation zwischen der Enklave Kaliningrad und den angrenzenden Regionen Litauens und Polens unter den Bedingungen asymmetrischer Interdependenz bedeutet und wie diese aussehen kann und muss, ohne die sozialen Trennlinien weiter zu vertiefen. Ausgehend von der Annahme, dass Grenzregionen Schnittstellen darstellen, an denen unterschiedliche politisch-institutionelle und sozio-ökonomische Ausgangsbedingungen aufeinandertreffen, sieht Schildberg in der grenzüberschreitenden Arbeit der EU eine stabilisierende Friedens- und Integrationsfunktion. Nach einer kurzen Darstellung der Region Kaliningrad referiert Schildberg zunächst die rechtlichen Grundlagen und Strukturen der Kooperation. Darauf aufbauend analysiert sie deren verschiedene Ebenen und Formen und stellt fest, dass sich eine intensive Kooperationen innerhalb der Regions-, Parlaments-, Universitäts-, Städte- und Gemeindepartnerschaften institutionalisieren konnte. Besonders ausgeprägt ist neben der formalen die informelle Kooperation zwischen den Gemeinden und Nichtregierungsorganisationen. Diese Kooperation hat durch die EU-Förderprogramme einen wesentlichen Impuls bekommen. Als signifikantes Merkmal arbeitet Schildberg die Vorreiterrolle Polens und Litauens im Projektmanagement heraus. Russland als Mutterland nimmt eher die Rolle eines Beobachters ein, während die Grenzregionen gemeinsam mit Kaliningrad Projekte initiieren und realisieren. Dies führt allerdings auch zu langfristigen Behinderungen der Kooperation. Gerade große Projekte, die nicht allein auf regionaler Ebene entschieden werden können beziehungsweise nationale Interessen betreffen, werden vielfach nur einseitig oder gar nicht umgesetzt, da Russland lediglich zögerlich agiert.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.452.622.613.6 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Silke Schielberg: Grenzen regionaler Kooperation an der EU-Außengrenze. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33976-grenzen-regionaler-kooperation-an-der-eu-aussengrenze_40719, veröffentlicht am 18.08.2011. Buch-Nr.: 40719 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA