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/ 20.02.2014
Eckart D. Stratenschulte (Hrsg.)

Grenzen der Integration. Europas strategische Ansätze für die Nachbarregionen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e. V. 79); 235 S.; 42,- €; ISBN 978-3-8487-0510-8
Der Titel lässt es erahnen – im vom Leiter der Europäischen Akademie Berlin (EAB) Eckart D. Stratenschulte herausgegeben Band wird eine überaus kritische Bestandsaufnahme der Strategien der Europäischen Union im Umgang mit ihren Nachbarregionen unternommen. Das lange vorherrschende Erweiterungsparadigma konnte demnach zwar zur Stabilisierung des Kontinents beitragen, ist allerdings mittlerweile an seine Grenzen gelangt. Alternative Ansätze – Assoziierungs‑, Entwicklungs‑ und Partnerschaftsstrategien – wurden „nicht miteinander vernetzt und in einen größeren Zusammenhang gebracht“ (7). Bei den verschiedenen Kooperationskonzepten wie der Östlichen Partnerschaft (ÖP) und der Gemeinsamen Mittelmeerstrategie handelt es sich um eine „Reihe unterschiedlicher Strategien […], die auch über eine unterschiedliche Reichweite verfügen und deren Zielstaaten Adressaten verschiedener strategischer Ansätze zur gleichen Zeit sind“ (17). Das Dilemma vom Wunsch nach Demokratisierung und Stabilisierung in den Nachbarregionen bei gleichzeitigem „Erweiterungsunmut“ (12) der Mitgliedstaaten konnte bisher nicht aufgelöst werden, die Zukunftsprognosen dafür sehen eher zweifelhaft aus. Dieses ernüchternde Fazit wird an verschiedenen Fallbeispielen näher erläutert. Gemeinsam mit der Studienleiterin der EAB Weronika Priesmeyer‑Tkocz zeigt Stratenschulte, dass die ÖP „ihre Ziele nicht erreicht [hat] und […] dies auch in Zukunft nicht tun könn[e]“ (55). Als ein „Prüfstein“ (66) ist erst kürzlich die Umsetzung des Assoziierungsabkommens mit der Ukraine vorerst gescheitert. Eine ausbaufähige Alternative könnte es sein, in den angesprochenen Ländern „intrinsische demokratische Bewegungen materiell, politisch und mit Know‑how zu unterstützen“ (74) – eine Forderung, die angesichts der Protestbewegung in der Ukraine rasch an Aktualität gewonnen hat. Der Professor für Osteuropastudien am College of Europe Hannes Adomeit untersucht Russlands Rolle als „Störfaktor“ (121) in den Beziehungen der EU zu den östlichen Nachbarstaaten. Die „Integrationskonkurrenz“ (125) zwischen Brüssel und Moskau verhindert, so das Fazit, die Lösung von Konflikten in der Region – auch das zeigt sich aktuell am Beispiel der Ukraine eindrücklich.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 3.64.22 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Eckart D. Stratenschulte (Hrsg.): Grenzen der Integration. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36772-grenzen-der-integration_45008, veröffentlicht am 20.02.2014. Buch-Nr.: 45008 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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