/ 17.06.2013
Klaus Müller
Globalisierung
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2002 (Campus Einführungen); 177 S.; kart., 12,90 €; ISBN 3-593-36829-3In Müllers Einführung wird das viel diskutierte Phänomen Globalisierung als "kontingentes Ergebnis von Marktprozessen, geopolitischen Konstellationen und staatlichen Entscheidungen" (14) begriffen. Eine Deutung als organische, zwingende Entwicklung verwirft der Autor. Die Thesen von Befürwortern einer vollständigen Liberalisierung des Marktes, ohne Eingreifen der Politik, werden mit Positionen von Kritikern einer solchen Entwicklung konfrontiert. Der Autor arbeitet dabei den Standpunkt heraus, dass es für die erfolgreiche Teilnahme an einer liberalen, interdependenten Weltwirtschaft starker politischer Institutionen bedarf. Nur handlungsfähige Staaten könnten die Folgen von Marktversagen abfangen, indem sie wachsende soziale Ungleichheit begrenzen, soziale Bürgerrechte sichern und öffentliche Güter bereitstellen. Das ambivalente Verhältnis von neoliberaler Globalisierung und Demokratie diskutiert Müller sowohl aus nationalstaatlicher wie aus internationaler Perspektive. Er erörtert etwa den drohenden Demokratieverlust durch wirtschaftliche Öffnung gegenüber dem Weltmarkt oder hebt den Faktor soziale Integration als Kriterium für Demokratiefähigkeit hervor. Auf internationaler Ebene betrachtet er die wirtschaftlichen und politischen Funktionen von internationalen Institutionen, besonders die interventionistische Politik von Finanzinstituten und deren pauschales Vorgehen nach dem "Washingtoner Konsens", sowie die Auswirkungen neoliberaler "Schocktherapien" auf instabile Länder. Globale Institutionen reproduzierten zudem die Macht- und Wohlstandsasymmetrie zwischen den Ländern des (westlichen) Zentrums und denen der Peripherie. Vor allem ihre Instrumentalisierung durch mächtige Staaten des Westens problematisiert der Autor und fragt nach Möglichkeiten einer Global Governance, einer Demokratisierung des internationalen Systems. Zuletzt stellt Müller die Europäische Union als Beispiel für die Alternative der regionalen Integration dar.
Inhaltsübersicht: I. Globalisierung, Staat und Demokratie: 1. Demokratie in einer sich globalisierenden Welt; 2. Märkte versus Demokratie; 3. Regionale Globalisierungserfahrungen. II. Politik der Globalisierung: Internationale Finanzinstitutionen und Global Governance: 4. Weltwirtschaftsordnung, Internationale Finanzinstitutionen und globale Finanzarchitektur; 5. Zukunftsperspektiven der Vereinten Nationen und Internationalen Finanzinstitutionen; 6. Regionale Integration: Demonstrationseffekte der EU.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 2.2 | 4.43 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Klaus Müller: Globalisierung Frankfurt a. M./New York: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15367-globalisierung_17489, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17489
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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