/ 21.06.2013
Eric L. Jones
Globalisierung der Kultur? Kulturhistorische Ängste und ökonomische Anreize. Übersetzt von Monika Streissler
Tübingen: Mohr Siebeck 2008 (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften 143); XIV, 210 S.; 69,- €; ISBN 978-3-16-149602-8„Während Kultur nur eine geisterhafte Spur durch die Geschichte zieht und viel weniger eigenständige Wirkung zeigt als viele Nichtökonomen behaupten, färbt sie durchaus in gewissem Maße das Verhalten, lenkt Wahlhandlungen und nimmt auf Entscheidungen Einfluss“ (VIII). Eine der zentralen Aussagen des australischen Wirtschaftshistorikers Jones zieht die prägende Kraft der Kultur auf Wirtschaftsentwicklung und Globalisierung in Zweifel, gesteht ihr aber einen gewissen Einfluss zu. Kulturen und Nationen, so seine These, verändern sich etwa durch altersspezifische Dissonanzen oder durch den Einfluss von Immigranten, aber auch durch äußere Anreize und Zwänge politischer und ökonomischer Art. „Dort wo es keinen starken Anreiz für Veränderungen gibt, [...] werden Veränderungen nur langsam erfolgen“ (21). Werden aber starke Anreize gesetzt, kann sich ein Land über Nacht verändern, so in China. Wenn Gesellschaften aber so anpassungsfähig sind und durch imagebildende Modernität erfolgreicher anderer Volkswirtschaften umgestaltet werden können, stellt sich die Frage, ob durch die Globalisierung „eine undifferenzierte Weltkultur entstehen wird“ (37). Dafür steht etwa die Chiffre McDonaldisierung. Jones widerspricht: „Es gibt wichtige Ansätze zu einer Vereinheitlichung, aber die Furcht, die menschliche Gesellschaft könnte völlig gesichtslos werden, spricht nur für einen Mangel an Phantasie“ (37). Menschen neigten dazu, sich abzugrenzen, zu unterscheiden und dabei auch Feindbilder zu zeichnen, was historisch vielfach belegt sei. Ketzerisch wird Jones, wenn er „Kultur als Mittelmaß“ (38) beschreibt. Wettbewerb führe aber dazu, dass „die unberechenbare Vielfalt von mittelmäßigen Gebräuchen“ (60) mit der Globalisierung und der Integration der Märkte zurückgehen werde. Fazit des anregenden und zuweilen provozierenden Großessays: „Was die Wirtschaftsentwicklung angeht, so vermag Kultur als Bremse oder Filter zu wirken, wird aber wahrscheinlich nicht selbst zur Ursache von Wandel und sollte nur mit Vorsicht als treibende Kraft behandelt werden.“ (191 f.)
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.68 | 5.45
Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Eric L. Jones: Globalisierung der Kultur? Tübingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30165-globalisierung-der-kultur_35764, veröffentlicht am 20.01.2009.
Buch-Nr.: 35764
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Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
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