/ 17.06.2013
Aram Ziai
Globalisierung als Chance für Entwicklungsländer? Ein Einstieg in die Problematik der Entwicklung in der Weltgesellschaft
Hamburg: Lit 2000 (Demokratie und Entwicklung 43); 161 S.; brosch., 15,90 €; ISBN 3-8258-4949-XSoziolog. Magisterarbeit RWTH Aachen; Gutachter: H. Mey. - Vor dem Hintergrund der unbefriedigenden Ergebnisse der Entwicklungspolitik der letzten Jahrzehnte untersucht Ziai verschiedene Entwicklungstheorien und alternative Strategien der Entwicklungspolitik in der Globalisierung. Die Arbeit erhebt einen wissenschaftlichen Anspruch, erweist sich aber bei näherer Betrachtung als kämpferisches (und wenig ausgewogenes) Plädoyer für die Emanzipation der Menschheit gegen die herrschenden Kräfte des Marktes. Auf die Einleitung folgen fünf Hauptteile: Der kurze Überblick über die Entwicklungstheorie und -politik seit 1945 mündet in die Kritik, dass Entwicklung zu sehr auf Wirtschaftswachstum reduziert wird. Grund der Wachstumsorientierung ist die Theorie des Freihandels, welcher nach Ziai wesentlich für die Verelendung der Entwicklungsländer und für die Aushöhlung von Demokratie und kulturellen Traditionen verantwortlich ist. Im fünften Kapitel werden alternative Entwicklungskonzepte kritisiert, die im Rahmen der Globalisierungsdiskussion vorgeschlagen wurden (globale Sozialpolitik, Menzel; nachhaltige Entwicklung; "global governance"; Kommunitarismus; globale Begrenzung des Wettbewerbs, Altvater/Mahnkopf). Das sechste Kapitel enthält den Lösungsvorschlag des Autors, der das Ziel der Entwicklung nicht in der Ausrichtung der Entwicklungsländer am Vorbild der westlichen Welt sieht, sondern darin, dass die Menschen in allen Kulturen frei über die politischen und ökonomischen Formen ihres Zusammenlebens entscheiden können. Voraussetzung für diese Emanzipation ist die starke Begrenzung des freien Marktes (rigide Kontrolle transnationaler Unternehmen, massive Einschränkung der Werbung etc.), die nur durch tatkräftigen Widerstand gegen das herrschende System zu erreichen ist. Dennoch plädiert Ziai nicht im marxistischen Sinn für die Revolution, sondern für Strategien eines fortschreitenden sozialen Wandels - der neue Schlachtruf lautet also: "Vive l'évolution!".
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 4.44 | 4.43 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Aram Ziai: Globalisierung als Chance für Entwicklungsländer? Hamburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14577-globalisierung-als-chance-fuer-entwicklungslaender_17693, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17693
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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