/ 17.06.2013
Heinrich Oberreuter / Michael Piazolo (Hrsg.)
Global denken. Die Rolle des Staates in der internationalen Politik zwischen Kontinuität und Wandel
München: Olzog 2001 (Akademiebeiträge zur politischen Bildung 33); 280 S.; brosch., 22,50 €; ISBN 3-7892-8057-7Dieser Sammelband liefert nicht was er verspricht. Wie derzeit viele andere Publikationen untersuchen die Beiträge Fragen wie "die Anpassung des Staates an welt-ökonomische Bedingungen, die Auflösung der Autorität staatlicher Instanzen, die schwindende Bedeutung politisch gesetzten Rechts, die Abgabe staatlicher Kompetenzen auf supranationale Einrichtungen, de[n] Einfluß von Banken und internationalen Konzernen auf die Handlungsfähigkeit der Nationalstaaten sowie ganz allgemein die Frage nach deren Zukunft als Akteure in der internationalen Politik" (9). Angesichts der Komplexität der angesprochenen Sachverhalte erscheint die notwendige Kürze von Sammelbandeinträgen grundsätzlich kaum geeignet, analytisch befriedigende Aussagen zu treffen. Diese Vermutung wird durch die Beiträge bestätigt, die kaum Originelles zur Diskussion beisteuern. In ihrer Qualität höchst unterschiedlich thematisieren sie nichts, was nicht schon an anderer Stelle behandelt wurde (und sind zudem teilweise nur Nachdrucke bereits erschienener Artikel). Empfehlenswert ist der Beitrag Menzels, dessen Überlegungen zu den veränderten Rahmenbedingungen von Entwicklungstheorie und -praxis zahlreiche Anknüpfungspunkte für die politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Weltpolitik im 21. Jahrhundert liefert.
Inhalt: I. Souveränität und Supranationalität: Herbert Bethge: Der teilsouveräne Nationalstaat - Ein Zukunftsmodell (13-21); Dieter Freiburghaus: Am Ende des demokratischen Rechtsstaats? Territorialität und Institutionen (22-47); Dieter Blumenwitz: Souveränität - Gewaltverbot - Menschenrechte: Eine völkerrechtliche Bestandsaufnahme (48-72); Peter Fonk: Völkerrecht versus Menschenrecht - Ein Dilemma für die Staatengemeinschaft? (73-93); Manfred Eisele: Die Zukunft des Staates zwischen Souveränität und Supranationalität (94-101); Michael Piazolo: Mensch - Recht - Staat: Ein Dreiecksverhältnis der internationalen Politik im Umbruch (102-118); Rainer Arnold: Neue Formen der Staatlichkeit? Die Europäische Union und ihre Mitglieder (119-130). II. Markt und Macht: Wilhelm Hankel: Wer steuert wen, wer setzt die Regeln? Banken und Konzerne im Zeitalter der Globalisierung und die Nationalstaaten (133-138); Frank Pilz: Frisst die Globalisierung den Sozialstaat auf? (139-156); Henning Klodt: Politik und Gesellschaft in der Ökonomiefalle? (157-166). III. Globalisierung gestalten: Neue Formen des Regierens: Werner Link: Globalisierung als Regionalisierung - die Regionen und die großen Mächte (169-179); Ulrich Menzel: Das Ende der einen Welt oder die weißen Flecke auf der Landkarte nehmen wieder zu (180-194); Edgar Grande: Globalisierung und die Handlungsfähigkeit der Nationalstaaten (195-215); Michael Zürn: Regieren im Zeitalter der Denationalisierung (216-232); Christian Hacke: Die Bedeutung des Nationalstaates im Zeitalter der Globalisierung (233-250); Otfried Höffe: Vision Weltrepublik - Zur Universalität des Rechts- und Demokratiegebots (251-264); Wolfgang H. Reinicke / Thorsten Benner / Jan Martin Witte: Global Public Policy: Globalisierung gestalten durch globale Politiknetzwerke (265-277).
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.2 | 4.43 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Heinrich Oberreuter / Michael Piazolo (Hrsg.): Global denken. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16311-global-denken_18723, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18723
Rezension drucken
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
CC-BY-NC-SA