/ 18.06.2013
Josef Nussbaumer
Gewalt.Macht.Hunger. Teil I: Schwere Hungerkatastrophen seit 1845. Mit einem Vorwort von Al Imfeld
Innsbruck u. a.: Studien Verlag 2003 (Geschichte und Ökonomie 13); 302 S.; 29,- €; ISBN 3-7065-1558-XTrotz der weltweit ausreichend produzierten Menge an Nahrungsmitteln sind heute schätzungsweise mehr als 800 Millionen Menschen ständig von Hunger und Unterernährung betroffen und eine weitere Milliarde Menschen ist ständig dem Risiko von Ernährungsproblemen ausgesetzt. Wie diese detaillierte Studie unterstreicht, ist Hunger dabei in der Regel kein Problem der Nahrungsmittelproduktion, sondern vielmehr eine Frage, inwieweit der Bevölkerung der Zugang zu Nahrung ermöglicht oder verweigert wird. Der Autor gibt einen kompakten Überblick über die Thematik und die dazu erschienene Literatur. Dies geschieht entlang einer chronologischen Aufarbeitung großer „Hungerkatastrophen" der letzten 150 Jahre und wird durch zahlreiche Abbildungen und Datentabellen sinnvoll ergänzt. Hervorzuheben ist, dass der Autor - obgleich engagiert - eine gesunde Distanz zu seinem Thema hält und z. B. auf die zahlreichen Widersprüchlichkeiten in der Datenerfassung und -interpretation hinweist und diese anschaulich belegt. Nicht zuletzt aus diesem Grund kann diese Studie, die der dritte Teil einer Reihe „Weltchronik der Katastrophen" ist, als gelungene Überblicksdarstellung zum Themenkomplex „Hunger" empfohlen werden.
Inhaltsübersicht: 1. ABstieg: Erste Annäherung an Hunger: 1.1 Eine Hunger-Definition mit Zündstoff aus dem Jahr 1735; 1.2 Orientierungstafeln: 1.2.1 Die schlimmsten Hungerkatastrophen; 1.2.2 „Schwerste" Einzelkatastrophen des 20. Jahrhunderts; 1.2.3 Das Katastrophengeschehen der 1990er Jahre; 1.2.4 Die schleichende Großkatastrophe. 2. UNterWELTen: Zu schweren Hungerkatastrophen seit 1845: 2.1 Hungersnöte - reine Naturkatastrophen?; 2.2 Versprechen vom Paradies: Umgemünzt in Hungerterror; 2.3 Kriege und Bürgerkriege als „Väter" des Hungers. 3. Wende.Punkt: 3.1 Statt Aushungern im Krieg: Den Krieg aushungern; 3.2 Statt Hungerterror: Terror dem Hunger; 3.3 Statt Dürrehunger: Den Hunger austrocknen.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.2 | 2.68 | 2.25 | 2.62 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Josef Nussbaumer: Gewalt.Macht.Hunger. Innsbruck u. a.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19286-gewaltmachthunger_22399, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22399
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Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
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