Skip to main content
/ 22.06.2013
Maria Mayrhofer

Gender und nationale Identität im Westsahara-Konflikt. Implikationen für saharauische Frauen und weiblichen Aktivismus

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012 (Politik und Demokratie 26); 145 S.; geb., 24,50 €; ISBN 978-3-631-61879-0
Politikwiss. Diplomarbeit Wien; Begutachtung: H. Wimmer. – Seit mehr als 35 Jahren und von der Weltgemeinschaft weitgehend unbeachtet kämpft die Bevölkerung Westsaharas um ihre Unabhängigkeit und gegen die Gebietsansprüche Marokkos. Mehr als die Hälfte der Saharauis lebt in Flüchtlingslagern in Algerien, die der von der Widerstandsbewegung Polisario 1976 ausgerufenen, als Exilstaat bezeichneten Demokratischen Arabischen Republik (DARS) unterstehen. In diesem Konflikt spielen die saharauischen Frauen eine aktive Rolle und treten öffentlich für die nationalistischen Ziele ein, schreibt Maria Mayrhofer. Sie untersucht den Zusammenhang zwischen nationaler Identität und Gender im Lichte des Westsahara-Konflikts, dessen Geschichte sie im ersten Kapitel nachzeichnet. Anschließend arbeitet sie wichtige Faktoren der Konstruktion der saharauischen nationalen Identität heraus, deren ethnische-kulturelle Wurzeln in der nomadischen Vergangenheit der Saharauis liegen. „Diese wurden zusammen mit dem unter den quasi-staatlichen Kolonialstrukturen neu entstandenen ‚Nationalgefühl’ von der Polisario zur Mobilisierung der Massen für den antikolonialen Widerstand herangezogen.“ (64) Die theoretische Annahme, dass es im Zusammenspiel von nationaler und geschlechtlicher Identität in Konfliktsituationen zu einer Ausweitung der Handlungspotenziale für Frauen kommen kann, wird von der Autorin im weiteren Verlauf der Arbeit bestätigt: „Die saharauischen Frauen, die in der traditionellen, lange Zeit matriarchalisch und matrilokal organisierten, nomadischen Gesellschaft eine wichtige Stellung inne hatten und durch Kolonialisierung und Industrialisierung in die häusliche Sphäre gedrängt worden waren, wurden von der Polisario über die saharauische Identität […] als aktive Mitglieder für den nationalistischen Befreiungskampf mobilisiert. Als Demonstrantinnen, Kämpferinnen, Organisatorinnen usw. nahmen sie aktiv am Widerstand gegen die Besetzung der Westsahara und am Aufbau des Exilstaates teil.“ (114) Zwar haben sie sich diese aktive Rolle bis heute erhalten, resümiert Mayrhofer, doch lassen sich auch Tendenzen erkennen, die in vielen Bereichen auf eine Remaskulinisierung weisen. Insofern könne nicht davon ausgegangen werden, dass nationale Identität und Konflikt automatisch zum Aufbrechen von Geschlechterzuschreibungen führen. Die Arbeit wurde 2011 mit dem Nachwuchspreis der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) ausgezeichnet.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.672.222.232.25 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Maria Mayrhofer: Gender und nationale Identität im Westsahara-Konflikt. Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35710-gender-und-nationale-identitaet-im-westsahara-konflikt_43122, veröffentlicht am 07.02.2013. Buch-Nr.: 43122 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA