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/ 18.06.2013
Nafeez M. Ahmed

Geheimsache 09/11. Hintergründe über den 11. September und die Logik amerikanischer Machtpolitik. Aus dem Amerikanischen von Michael Bayer und Werner Roller, VerlagsService Mihr

München: Riemann Verlag 2003; 479 S.; 24,- €; ISBN 3-570-50042-X
Der 11. September 2001 bescherte der Zunft der Verschwörungstheoretiker Stoff für gleich mehrere Jahrzehnte. Von den Juden bis hin zu einem Komplott der amerikanischen Regierung gegen das eigene Volk wird so ziemlich alles für die Anschläge verantwortlich gemacht, was gerade in den eigenen ideologischen Kram passt. In Ahmeds Buch findet man eine akribische Zusammenfassung: Der Autor stellt eine Fülle von Indizien für seine Hauptthese dar, „dass die Verantwortung für die Ereignisse des 11. September beim amerikanischen Staat liegt". Er hält es für erwiesen, „dass wichtige Elemente der US-Regierung, des amerikanischen Militärs und der Geheimdienste der Vereinigten Staaten schon vor dem 11. September von den Anschlägen wussten und auch auf verschiedenste Weise in die Terroranschläge verwickelt waren" (379). Das eklatante Versagen der Geheimdienste bei der Auswertung durchaus vorhandener Warnungen und der Einwanderungsbehörde bei der Überprüfung auffällig gewordener Flugschüler wird so flugs zum Beweis für ein Komplott der US-Regierung umgedeutet. Ein Hintertürchen hält sich Ahmed jedoch gleich mehrfach auf: Nach harten Urteilen und gewagten Beweisführungen mit scharfen Anklagen folgt an vielen Stellen ein paar Absätze später gleich der Vorbehalt: Die Untersuchungsergebnisse seien nicht endgültig und jeder Leser müsse selbst entscheiden, ob er mit den Schlussfolgerungen übereinstimme (382). Wer meint, ständig auf solche Selbstverständlichkeiten hinweisen zu müssen, weiß offenkundig sehr genau um die Angreifbarkeit seiner Argumentationskonstrukte. Aus dem Inhalt: 1. Die Rolle der internationalen Gemeinschaft in der Afghanistan-Krise; 2. Die Vereinigten Staaten, Afghanistan und die Taliban (1994-2001); 3. Das strategische Konzept hinter den US-Kriegsplänen; 4. Warnhinweise vor dem 11. September und das Versagen der Geheimdienste; 5. Die Nachrichtendienste der USA: Strukturelle Inkompetenz oder politische Blockaden?; 6. Der Kollaps der Verfahrensrichtlinien am 11.9.; 7. Amerikas Verbindungen zum meistgesuchten Mann der Welt; 8. Der neue Krieg: Macht und Profit in den USA und im Ausland; 10. Provokation des Krieges: Ein Handlungsmuster der US-Außenpolitik.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.222.642.252.68 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Nafeez M. Ahmed: Geheimsache 09/11. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18710-geheimsache-0911_21705, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21705 Rezension drucken
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