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/ 05.06.2013
Ueli Mäder

Für eine solidarische Gesellschaft. Was tun gegen Armut, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung?

Zürich: Rotpunktverlag 1999; 299 S.; brosch., 38,- DM; ISBN 3-85869-178-X
In der neueren, im Zeichen einer Modernisierung wohlfahrtsstaatlicher Regime stehenden Diskussion werden die Prinzipien der Solidarität und der Selbsthilfe oftmals gegeneinander ausgespielt: das Einklagen von Solidaritätspflichten sei eigentlich von der Absicht motiviert, den Bereich eigenverantwortlichen Handelns zugunsten kollektiv-bevormundender Regelungen einzuschränken. Daß diese Kontrastierung weder ideengeschichtlich zutrifft noch sich auf der Ebene konkreter Projekte plausibel machen läßt, bildet die Grundüberzeugung dieser Studie. Das Buch stellt eine "stark gekürzte und popularisierte Fassung" (247) der 1999 unter dem Titel "Subsidiarität und Solidarität" erschienenen Habilitationsschrift des Verfassers dar, der an der "Höheren Fachschule für Soziale Arbeit beider Basel und an der Universität Basel" tätig ist und mehrere Sozialuntersuchungen im Kanton Basel durchgeführt hat. Vermutlich ist es dieser Überarbeitung zuzuschreiben, daß die "Kurzfassung" weniger den Charakter einer begründenden Argumentation als vielmehr den einer "Denkschrift" erhalten hat. Das betrifft zumal die Partien des Buches, die sich mit einer Analyse von Modernisierungsfolgen (23 ff.) bzw. der theoretischen Orientierung des verfolgten Konzepts (113 ff.) befassen. Auf einer breiten Literaturbasis, die relativ ausführlich die im deutschen Kontext der 80er Jahre geführte Debatte über die Alternativbewegung und das Verhältnis von Eigen- und Erwerbsarbeit berücksichtigt, will der Autor - primär an ein Schweizer Publikum adressiert - zeigen, daß Selbsthilfe und Solidarität in einer komplementären Beziehung zueinander stehen. Und gerade ihre ausdrückliche Kombination, die allerdings erst vor dem Hintergrund politisch verbürgter Institutionen vom Typ eines garantierten Mindesteinkommens und der Aufhebung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung realisierbar erscheint, eröffne neue Wege zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung. Nicht also Finanzierungsprobleme entscheiden über die Zukunft der sozialen Sicherheit: "Die Frage ist, ob wir uns eine soziale Sicherheit leisten wollen, die eine verbindliche gesellschaftliche Infrastruktur erfordert, aber auch die Bereitschaft voraussetzt, sich persönlich und freiwillig zu engagieren." (244 f.) Inhaltsübersicht: Ausgangslage: Soziale Probleme; Lösungsansätze; Solidarität; Vorgehen. Sozialer Wandel: Lebensformen; Individualisierung; Globalisierung; Konsumismus; Familien im Stress; Neue Werte, Soziale Sicherung; Sonderfall Schweiz? Praktische Ansätze: Genossenschaftliche Tradition; Neue soziale Bewegung; Selbsthilfe; Exkurs: das Berliner Selbsthilfe-Modell; Soziale Ökonomie; Freiwilligenarbeit; Sozialzeit; Netzwerke; Ordnungsversuche. Theoretische Orientierung: Soziale Wesen; Menschenbild; Gruppen; Gemeinschaft und Gesellschaft; Demokratie als Alltagsprinzip; Staatsverständnis; Christliche Soziallehre; Gerechtigkeit; Kommunitarismus; Neue Unübersichtlichkeit; Moderne; Zivilgesellschaft; Dritte Wege. Konzeptionelle Umsetzung: Kooperative Individualität; Verbindliche Solidarität; Ökosozialer Umbau; Arbeit teilen; Grundsicherung ausbauen; Zivilcourage stärken; Gesellschaftsvertrag.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2622.3422.5 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Ueli Mäder: Für eine solidarische Gesellschaft. Zürich: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8526-fuer-eine-solidarische-gesellschaft_11228, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11228 Rezension drucken
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