Skip to main content
/ 22.06.2013
Simon Falke

Frieden am Zaun? Israels Sicherheitskultur und die Abgrenzung zum Westjordanland

Marburg: Tectum Verlag 2011 (Bonner Studien zum globalen Wandel 12); 105 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2733-2
Nach einem Beschluss der Knesset begann im Juni 2002 der „Bau des Trennungszaunes, teilweise auch in Form einer Mauer“ (45), entlang der Grenze des israelischen Kernlandes zum Westjordanland. Die Regierung unter Ariel Scharon begründete diesen angesichts der zweiten Intifada mit dem Sicherheitsbedürfnis. Und tatsächlich biete der Zaun „zwar keine Garantie für eine vollständige Sicherheit vor Attentaten, doch die Maßnahme hat dazu beigetragen, die terroristischen Anschläge in Israel auf ein statistisches Minimum zu reduzieren“ (88). Falke untersucht die gesellschaftlichen und politischen Wirkungen des Zaunes und fragt, ob dieser „ein metaphorisches Spiegelbild der israelischen Gesellschaft“ (7) ist – denn eines scheint ihm sicher: Der Zaun sagt weniger über die ausgegrenzten Palästinenser, sehr viel aber über die sich einzäunenden Israelis aus. Die kurze Studie beginnt mit einer Einordnung in den historischen Kontext, es folgt eine knappe Darstellung zweier Vordenker des Zionismus (Theodor Herzl, Wladimir Jabotinsky) unter besonderer Berücksichtigung ihrer Aussagen zur Abgrenzung eines jüdischen Staates. Ihnen ging es allerdings eher um politische Abgrenzungen, nicht um eine materielle. Dann verquickt Falke die Suche nach einer Staatsgrenze mit dem Streben nach Sicherheit und arbeitet den Trennungszaun als „Fluchtpunkt der Geschichte“ (45) heraus. Als zentral wird hervorgehoben, dass die „Garantie der persönlichen Sicherheit der Bürger durch den Staat“ seit der ersten Intifada zum wichtigsten Thema der gesellschaftlichen und politischen Diskussion geworden sei. Dem Konservativen Scharon sei es mit dem Bau des Zaunes gelungen, „eine ursprüngliche Idee der israelischen Linken aufzugreifen und diese mit seinen eigenen territorialen Visionen auszufüllen“ (66). Die politischen Lösungskonzepte linker und rechter Parteien seien zusammengeführt worden. Entstanden sei ein neuer Konsens, wobei seit Baubeginn auch diskutiert werde, dass „der gegenwärtige Verlauf des Trennungszaunes einen Vorgriff auf eine spätere politische Grenze zwischen Israel und einem palästinensischen Staat darstellen könnte“ (62). Der Zaun könne also dazu beitragen, „einen Weg aus der Sackgasse des territorialen Konflikts um das historische Palästina zwischen Israelis und Palästinensern zu weisen“ (89), schreibt der Autor. Damit hat er eine interessante These herausgearbeitet, deren Darstellung in einer Studie dieses Umfangs allerdings nicht umfassend geleistet werden kann.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.632.222.234.41 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Simon Falke: Frieden am Zaun? Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34627-frieden-am-zaun_41610, veröffentlicht am 01.03.2012. Buch-Nr.: 41610 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA