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/ 05.06.2013
Michael Hochgeschwender (Hrsg.)

Freiheit in der Offensive? Der Kongreß für kulturelle Freiheit und die Deutschen

München: R. Oldenbourg Verlag 1998 (Ordnungssysteme 1); 677 S.; Ln. 98,- DM; ISBN 3-486-56341-6
Diss. Tübingen; Erstgutachter: A. Doering-Manteuffel. – Dieser Band entstand im Rahmen des ideengeschichtlichen Forschungsprojektes "Westernization" an der Universität Tübingen, dessen Ergebnisse in weiteren Publikationen in dieser Reihe veröffentlicht werden. Im Vorwort stellen die Herausgeber der Reihe (Dietrich Beyrau, Anselm Doering-Manteuffel, Lutz Raphael) das Projekt kurz vor und erläutern, was sich hinter dem Begriff "Westernization" bzw. "Westernisierung" verbirgt: Bezeichnet wird ein Prozeß, "in dessen Verlauf sich in den Gesellschaften diesseits und jenseits des Nordatlantik eine gemeinsame Werteordnung ausbildete. Deren Genese umfaßt einen Zeitraum von nahezu zwei Jahrhunderten, und in diesem Prozeß entstanden mehrere, konkurrierende politisch-gesellschaftliche Ordnungsentwürfe." (10) Der Historiker Hochgeschwender widmet sich dem 1950 gegründeten, von der CIA geförderten und 1967 suspendierten "Kongreß für kulturelle Freiheit" ("Congress for Cultural Freedom" [CCF]) und bezeichnet ihn als "Kind" bzw. "Agentur des Kalten Krieges" (577 ff.). Der Autor geht von folgenden zentralen Thesen aus: 1. Aufgabe des CCF war es, "im Rahmen transnationaler Systempenetration als Lieferant einer eigenständigen westlichen Weltanschauung tätig zu werden", um die Linke sowohl in den USA als auch andernorts mit Hilfe von Propaganda "gegen die Einflüsse kommunistischer Infiltration zu immunisieren" (18 f.). 2. Der CCF war bemüht, die links orientierten Arbeiterparteien Europas in ideologiearme, linke Volksparteien, vergleichbar dem linken Flügel der amerikanischen Demokraten, umzuwandeln. 3. In Deutschland verfolgte der CCF außerdem die Ziele, "nationalneutralistische Strömungen im Zusammenhang mit der Einbindung der Bundesrepublik in die westliche Allianz zu bekämpfen und für die alliierten Demokratisierungsbemühungen unter antitotalitären Vorzeichen fortzuführen" (19). Der Autor erzählt die Vorgeschichte des CCF, geht auf die Funktion sowie die ideologische Konzeption der Zeitschrift "Der Monat" ein, beschreibt sowohl die Tätigkeiten des Pariser Generalsekretariats als auch die organisatorischen und weltanschaulichen Aktionen der deutschen Kongreßbüros in mehreren Städten Westdeutschlands sowie in Westberlin und läßt die Vernetzung des CCF mit anderen Gruppierungen und staatlichen Institutionen nicht unerwähnt. Schließlich arbeitet Hochgeschwender die Gründe für das Ende des Kongresses heraus.
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.222.642.313 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Michael Hochgeschwender (Hrsg.): Freiheit in der Offensive? München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7081-freiheit-in-der-offensive_9471, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9471 Rezension drucken
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