/ 04.06.2013
Angelika Mlinar
Frauenrechte als Menschenrechte
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997; 262 S.; brosch., 79,- DM; ISBN 3-631-31434-5Rechtswiss. Diss. Salzburg; Erstgutachter C. Schreuer. - Zu den fundamentalen Grundprinzipien des internationalen Menschenrechtsschutzes gehört von Anbeginn das völkerrechtliche Diskriminierungsverbot von Frauen. Angesichts der weltweit fortbestehenden faktischen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wird vor allem im anglo-amerikanischen Raum seit Ende der achtziger Jahre sowohl in akademischen als auch politischen Foren verstärkt die Frage diskutiert, ob und inwieweit das herkömmliche Menschenrechtskonzept ebenso wie die bisher geschaffenen Instrumente des internationalen Menschenrechtsschutzes die Interessen und spezifischen Problem- und Gefährdungslagen von Frauen berücksichtigen. Im Zentrum der feministischen Kritik steht dabei die durch das klassische Menschenrechtskonzept vorgegebene Trennung zwischen öffentlicher und privater Sphäre und die damit verbundene Fixierung auf das Verhältnis zwischen Staat und Individuum: Zentrales Anliegen internationaler Menschenrechtsstandards ist nach wie vor der Schutz der Menschen vor den Übergriffen ihrer eigenen Regierungen. Frauen geraten damit aus dem Blick des Völkerrechts; aufgrund ihrer gesellschaftlich verordneten Primärzuständigkeit für Reproduktionstätigkeiten ist die Privatsphäre doch weltweit nach wie vor ein zentraler Lebensbereich der meisten Frauen und der Ort, an dem sie den größten Gefährdungen ausgesetzt sind. Die anglo-amerikanische feministische Kritik des Völkerrechts erstmals ausführlich für den deutschen Sprachraum rezipierend, problematisiert Mlinar den Status von Frauen im Völkerrecht und zeichnet die vor dem Hintergrund der jüngsten UN-Weltkonferenzen zu sehenden neuen völkerrechtlichen Entwicklungen nach. Grundsätzlich zu bemängeln ist, daß die vielen, z. T. höchst widersprüchlichen feministischen Positionen weder untereinander kontrastiert noch mit Positionen des wissenschaftlichen "Mainstreams" konfrontiert werden. So entsteht nicht nur fälschlicherweise ein allzu homogenes Bild feministischer Kritikansätze, sondern es bleiben viele potentielle Konfliktpunkte zwischen "Frauenrechten" und "Menschenrechten" außen vor bzw. werden bestenfalls oberflächlich abgehandelt und allzu schnell verworfen. Dies gilt analog für die vorangestellte, die Grundlage aller weiteren Analyse bildende ahistorische und akontextuelle Skizzierung des "anthropologischen Hintergrund[es] der Schlechterstellung der Frau" (11) weltweit.
Julia Schmidt-Häuer (JSH)
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
Rubrizierung: 2.27 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Julia Schmidt-Häuer, Rezension zu: Angelika Mlinar: Frauenrechte als Menschenrechte Frankfurt a. M. u. a.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4559-frauenrechte-als-menschenrechte_6405, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6405
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Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
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