/ 21.06.2013
Andreas Fulda
Förderung partizipativer Entwicklung in der VR China. Möglichkeiten und Grenzen politischer Einflussnahme durch Akteure der deutsch-chinesischen Entwicklungszusammenarbeit (2003-2006)
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 277 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-531-16357-4Politikwiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: E. Sandschneider. – Chinas innere Verfasstheit sei durch „anhaltend autoritäre politische Strukturen, endemische Korruption, Mangel an Rechtsstaatlichkeit und eine auf allen Ebenen nur eingeschränkt rechenschaftspflichtige, korporatistisch organisierte parteistaatliche Verwaltung gekennzeichnet“ (23). Ist vor diesem Hintergrund die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit China als zielführend zu bezeichnen? Fulda vereint in seiner Politikfeldanalyse, die ihn zu einer sehr nüchternen Antwort führt, zwei verschiedene Perspektiven: eine wissenschaftliche und eine praktische. Der Autor war nach seiner wissenschaftlichen Ausbildung fünf Jahre lang in verschiedenen Funktionen als Mitarbeiter der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in China tätig. Anhand von acht Fallbeispielen zeigt er nun, welche Konflikte bei den deutschen Akteuren (u. a. der GTZ, des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie des Auswärtigen Amtes) dadurch entstehen, dass sie entweder ein technisches oder ein politisches Entwicklungsparadigma bevorzugen. Auch hinsichtlich der Frage, wie die wertegebundenen außen- und entwicklungspolitischen Ansätze weiter zu entwickeln seien, sieht der Autor deutlichen Diskussionsbedarf. So kommt er schließlich zu dem Ergebnis, dass neben den Schwierigkeiten, die sich für die Entwicklungszusammenarbeit aus der inneren Verfasstheit Chinas ergeben, auch die Dauerrivalität zwischen dem Entwicklungsministerium und dem Auswärtigen Amt ein „erhebliche[s] Implementierungsdefizit“ (261) verursacht. Deshalb könne – trotz der politischen Vorgaben der Bundesregierung und der Ministerien – nicht von einer systematischen Förderung partizipativer Entwicklung gesprochen werden. Die deutschen staatlichen und nichtstaatlichen Akteure passten sich trotz der erheblichen wirtschaftlichen Hilfe zu sehr den chinesischen Strukturen und Verhältnissen an. Es werde insgesamt zu wenig darauf geachtet, einen Anreiz für Verhaltensänderungen der chinesischen Akteure zugunsten des Aufbaus einer Zivilgesellschaft zu schaffen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.44 | 4.21 | 2.68 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Andreas Fulda: Förderung partizipativer Entwicklung in der VR China. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30464-foerderung-partizipativer-entwicklung-in-der-vr-china_36170, veröffentlicht am 20.05.2009.
Buch-Nr.: 36170
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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