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/ 22.06.2013
Björn Klein

"First, unshackle ourselves from fear, for it alone is our omnipresent enemy". Homosexualität in den USA 1948-1963

Berlin: Lit 2012 (Geschlecht – Kultur – Gesellschaft 17); X, 100 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-643-11890-5
Geschichtswiss. Magisterarbeit Köln; Begutachtung: N. Finzsch. – Klein analysiert die aufkommende homophile Bewegung in den USA und fragt in Anlehnung an Michel Foucault, „in welchem Verhältnis zur Macht […] Angst als Signifikant von sexuellen Diskursen in den 1950er Jahren“ (6) steht. Zwei Thesen liegen der Studie zugrunde: Erstens habe Angst „nicht nur eine repressive, sondern auch produktive Wirkungsmacht entfaltet […], die wesentlich an der Binarisierung der Geschlechter, der Genese eines sexual citizenship, an Subjektivierungsprozessen, das heißt an der Rejustierung einer heteronormativen Matrix in den 1950er Jahren beteiligt“ (3) war. Zweitens geht Klein davon aus, dass „Angst eine relaisartige Funktion als ein Vermittlungselement von Spezialdiskursen besitzt und somit einen Interdiskurs konstituiert“ (5). Der Autor nutzt Michel Foucaults diskursanalytischen Ansatz sowie seine interdiskursive Weiterentwicklung durch Jürgen Link und rückt mit der Mattachine Society und den Daughters of Bilitis zwei homophile Gruppen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen, mit denen er sich dem Angstdispositiv nähert. Hierfür bezieht er sowohl Veröffentlichungen der homophilen Gruppen als auch zeitgenössische Dokumente wie etwa populäre Zeitschriften, medizinische Handbücher, Gesetze, Gerichtsurteile und Nachrichtenbeiträge ein. Klein stellt fest, dass Homosexuelle in den USA im Untersuchungszeitraum als gescheiterte Personen angesehen wurden, die – so die Interpretation der zeitgenössischen Diskurse – abweichendes Verhalten zeigten und dadurch eine Gefahr für die USA darstellten. Die Angst und Sorge um den Staat richtete sich somit nicht mehr gegen das kommunistische Außen, sondern gegen das homosexuelle Innen. Durch ständige Wiederholung und Zitation sei Angst zu einem Dispositiv generiert worden, so der Autor, „das sich um das diskursive Schlachtfeld der menschlichen Sexualität legt“ (80).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.642.272.212.22 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Björn Klein: "First, unshackle ourselves from fear, for it alone is our omnipresent enemy" Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35757-first-unshackle-ourselves-from-fear-for-it-alone-is-our-omnipresent-enemy_43343, veröffentlicht am 28.03.2013. Buch-Nr.: 43343 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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