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/ 22.06.2013
Jan Nissen

Externe Demokratieförderung in Peru

Münster u. a.: Waxmann Verlag 2011; 219 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-8309-2613-9
Politikwiss. Diss. Münster; Begutachtung: C. Frantz, A. Zimmer. – Seit dem Ende des Regimes unter Alberto Fujimori (1990-2000) befindet sich Peru, wie andere lateinamerikanische Staaten auch, in einer „Grauzone zwischen einer Wahldemokratie mit autoritären Tendenzen und liberaler Demokratie“ (11), konstatiert Nissen. Zahlreiche internationale Akteure unterstützen das Land auf dem Weg zu einer konsolidierten Demokratie. Nissen untersucht mit dieser Fallstudie die demokratiefördernden Programme sowie deren Umsetzung und Wirkungsweise von insgesamt 27 deutschen und US-amerikanischen Akteuren (staatliche Organisationen, politische Stiftungen, kirchliche Förderwerke und sonstige NGOs). Methodische Grundlage ist ein vom Autor entwickeltes Modell eines Politikzyklus der Demokratieförderung. Die gegenwärtige Transformationsphase selbst sowie die internationalen Rahmenbedingungen werden als Kontextfaktoren berücksichtigt und vornehmlich aus der Sicht der interviewten Hilfsorganisationen beschrieben. Demnach weisen sowohl der staatliche als auch der zivilgesellschaftliche Sektor bedeutende Schwachstellen auf. Dazu zählen der Mangel an funktionierenden Checks and Balances, verbunden mit einem nur gering ausgebildeten Parteiensystem, weit verbreiteter Korruption und fehlender Verwaltungseffektivität. Enttäuschungen über den Staat, soziale Konflikte und Armut führen außerdem dazu, dass die Demokratie nur geringe Unterstützung durch die Zivilgesellschaft erfährt. Angesichts dieser Herausforderungen agieren die untersuchten Hilfsorganisationen vor allem im Bereich der Staatsmodernisierung und der Förderung einer demokratischen Zivilgesellschaft. Damit finden sie ein breites Betätigungsfeld, das der Autor differenziert analysiert. Dass einzelne Aktivitäten auch von staatlichen Eigeninteressen der Geber geprägt sind, zeigt sich beispielsweise im Falle der USA, die den Drogenexport ins eigene Land unterbinden wollen. Die staatliche Regierungsorganisation USAID sei deshalb hauptsächlich in peruanischen Regionen aktiv, „die vom Koka-Anbau und -Handel betroffen sind“ (186). Insgesamt wird mit dieser Forschungsarbeit das bekannte Mikro-Makro-Paradoxon deutlich: Obwohl die Hilfsorganisationen „die Effekte ihrer Programme positiv bewerten, lassen sich keine wesentlichen makropolitischen Veränderungen feststellen. Solange der peruanische Demokratisierungsprozess stockt, ist deshalb davon auszugehen, dass die Gesamtheit der externen Demokratieförderung im Andenstaat bestenfalls dazu beiträgt, den Status quo zu erhalten.“ (195)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.442.652.22 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Jan Nissen: Externe Demokratieförderung in Peru Münster u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34916-externe-demokratiefoerderung-in-peru_41982, veröffentlicht am 28.06.2012. Buch-Nr.: 41982 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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