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/ 10.12.2015
Kim Christiaens / Idesbald Goddeeris / Magaly Rodríguez García (Hrsg.)

European Solidarity with Chile 1970s-1980s

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2014 (Studies in political Transition 3); 358 S.; 61,95 €; ISBN 978-3-631-62976-5
1973 wurde der demokratisch gewählte Präsident Chiles Salvador Allende durch einen Putsch gestürzt. Die darauffolgende Herrschaft der Militärjunta unter Diktator Augusto Pinochet setzte auf Gewalt und politische Repression. Die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen in Chile sorgten für weltweite Aufmerksamkeit und Solidarität in den 1970er‑ und 1980er‑Jahren, in Europa gründeten sich Solidaritätskomitees und Menschenrechtsgruppen organisierten einen breit angelegten Protest. Nach Größe, Organisationsgrad und andauernder Resonanz sei die Solidaritätskampagne für Chile einer der größten sozialen Bewegung dieser Art in der Nachkriegsgeschichte, so die Herausgeber_innen. Thomas C. Wright schreibt in seinem Beitrag über die bis zu 200.000 Chilen_innen, die nach dem Staatsstreich ihr Land verließen. Die oft vom Regime erzwungene Ausreise der linken Oppositionellen schwächte zunächst im Land selbst den Widerstand gegen Pinochet. Aber die Geflohenen organisierten sich in ihren Exilländern umgehend neu und stellten dann in Westeuropa den wesentlichen Teil der aktiven Oppositionsbewegung. Gemeinsam mit europäischen Aktivist_innen hätten sie wesentlich zur schwindenden Legitimität der Pinochet‑Regierung und damit, schreibt Wright, effektiv zum Ende der Diktatur beitragen. Jadwiga E. Pieper Mooney erläutert die Rolle der DDR, die etwa 1.500 Chilen_innen Exil bot – darunter auch der Medizinstudentin Michelle Bachelet, die 2006 die erste Präsidentin Chiles geworden ist. Die Autorin hebt die großzügige Versorgung hervor, die die ostdeutsche Regierung den im Exil Lebenden zukommen ließ. Zudem ermöglichte das SED‑Regime den chilenischen Gästen, sich mit ebenfalls geflüchteten Landsleuten in anderen europäischen Ländern zu treffen. Besonders die politischen Führer_innen aus Chile seien von der DDR‑Staatsführung privilegiert behandelt worden, schreibt die Autorin. Sie betont, dass, wie im ganzen Ostblock, die Solidarität aber nicht nur von oben verordnet worden, sondern auch vielfach von den Bürger_innen selbst ausgegangen sei.
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Rubrizierung: 2.652.254.222.612.3152.62 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Kim Christiaens / Idesbald Goddeeris / Magaly Rodríguez García (Hrsg.): European Solidarity with Chile 1970s-1980s Frankfurt a. M. u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39182-european-solidarity-with-chile-1970s-1980s_47663, veröffentlicht am 10.12.2015. Buch-Nr.: 47663 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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