/ 22.06.2013
Jens Damm / Paul Lim (Hrsg.)
European Perspectives on Taiwan
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012 (East Asia in the 21st Century. Politics – Society – Security – Regional Integration); 257 S.; softc., 49,95 €; ISBN 978-3-531-18580-4Die Herausgeber arbeiten einleitend heraus, dass mit Taiwan ein Sonderfall betrachtet wird – das Land habe wirtschaftlich an Bedeutung gewonnen und zugleich sein autoritäres Regime einer demokratischen Transformation unterzogen, erfülle mithin die Voraussetzungen, aus europäischer Sicht politisch wie wirtschaftlich ein interessanter Partner zu sein. Dennoch sei die Inselrepublik weit davon entfernt, de jure ihre Unabhängigkeit zu erlangen: Trotz der genannten Entwicklung habe – nicht nur – die Europäische Union den Beziehungen zur Volksrepublik China den Vorzug gegeben und sich deshalb deren Politik des „One China“ untergeordnet, zum andauernden Nachteil Taiwans. Die europäischen Möglichkeiten gegenüber Taiwan blieben damit eingeschränkt, so Damm und Lim. Sie weisen allerdings auch darauf hin, dass das kleinere, demokratische China trotz dieser Zurücksetzung eine wichtige Rolle im sicherheitspolitischen Gefüge der Region spielt. Die Herausgeber führen damit kurz und bündig in den Kontext ein, in dem die Beiträge zu lesen sind. Initiiert wurde die Herausgabe dieses Bandes vom European Institute for Asian Studies in Brüssel, eines Think Tanks, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die europäisch-asiatische Verständigung zu fördern. In den einzelnen Beiträgen wird entsprechend auch immer wieder gefragt, ob sich aus den europäischen Erfahrungen Schlüsse für die weitere Entwicklung Taiwans ziehen lassen. So untersucht Stefan Fleischauer unter Abwägung zweier theoretischer Modelle, ob sich der seit den späten 1980er-Jahren zu beobachtende engere wirtschaftliche Austausch zwischen der Volksrepublik und Taiwan hin zu einer Integration nach europäischem Vorbild weiterdenken lässt. Joseph Lee weist allerdings auf den fundamentalen Unterschied zwischen der Idee der europäischen Integration (als der von Partnern) und der „One China“-Politik der Volksrepublik hin – diese gefährde nach wie vor die politische und kulturelle Identität Taiwans. Der Band lässt sich damit als eine Warnung vor einem allzu schnellen Ziehen von Analogien lesen – wirtschaftliche Kooperation ist eben nicht automatisch an eine gegenseitige Wahrnehmung auf Augenhöhe, geschweige denn an eine Demokratisierung gekoppelt. Insgesamt wird eine erhellende Übersicht sowohl über die besondere Stellung Taiwans im Spannungsfeld der Interessen der Volksrepublik als auch über die taiwanesisch-europäischen Beziehungen vermittelt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.68 | 4.22 | 3.6
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jens Damm / Paul Lim (Hrsg.): European Perspectives on Taiwan Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34586-european-perspectives-on-taiwan_41553, veröffentlicht am 28.06.2012.
Buch-Nr.: 41553
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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