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/ 14.11.2013
Sharo Ibrahim Garip

Ethnische Konflikte im Vergleich: Baskenland – Kurdistan

Wien/Berlin: Lit 2012 (Beiträge zur empirischen Demokratieforschung 3); 213 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-90325-9
Diss. Köln. – Der Autor befasst sich mit der übergeordneten Frage nach den Chancen der Integration von Minderheiten in multinationalen Gesellschaften. Dabei interessiert ihn besonders, warum es einigen Ländern „innerhalb der Demokratie gelingt, ihre Minderheitenprobleme zu lösen, und anderen nicht“ (8). Er nimmt eine ganzheitliche Perspektive ein, indem er nicht nur mögliche Wege der Lösung von Konflikten, sondern auch deren Ursachen in die Betrachtung einbezieht. Was führt zu einem Konflikt? Warum werden kulturelle Unterschiede ignoriert? Wie bestimmt sich kollektive Identität in multikulturellen Staaten? Anhand dieser und weiterer zahlreicher Detailfragen werden verschiedene Modelle, Thesen und Theorien zur Erklärung der Minderheitenproblematik in Spanien (Baskenland) und der Türkei (Kurdistan) herangezogen. Im Lichte vor allem der Nationalismus‑, Modernisierungs‑ und Demokratietheorie untersucht Sharo Ibrahim Garip die Ursachen, Strukturen und Intensität der Konflikte in Kurdistan und im Baskenland. In beiden Bewegungen dienten „die Nationalismen als ‚Befreiungsideologie’ und sind ethnisch fundiert“ (41), hält er als eine gemeinsame Rahmenbedingung fest. Unterschiede zeigen sich hingegen zum Beispiel bei den Auswirkungen der sozioökonomischen und politischen Modernisierung. Während sich das Baskenland überdurchschnittlich gut entwickelte, hat die wirtschaftliche Modernisierung für Kurdistan keine Verbesserungen gebracht. Vielmehr, schreibt Garip, wirkte dort der türkische Staat durch seine Politik der Vernachlässigung als Kolonialmacht und trug so zu einer massiven Unterentwicklung bei. Der Autor sieht daher die These bestätigt, dass Kurdistan „als eine klassische ‚interne Kolonie’“ (77) zu bezeichnen ist. In einem weiteren Kapitel untersucht er den Zusammenhang von Demokratie und Konflikt und kann wiederum sowohl einige Parallelen als auch Unterschiede für beide Länder ausmachen. So hat der „Konflikt in Kurdistan und im Baskenland unter den autoritären Regimes einen positiven Beitrag für die Demokratisierung geleistet“, indem die Regimes durch den Konflikt geschwächt wurden und „infolge der Politisierung der Massen ein Bewusstsein für die politischen sowie zivilen Rechte [entstand]“ (103). Für die These, dass die Demokratie einen Konflikt entschärfen und damit zur Lösung beitragen kann, legt der Autor Befunde für Spanien vor. Dennoch ist sie allein kein Garant für eine Konfliktlösung. Diese hänge davon ab, so Garip, „ob Nation, Staat und Demokratie als ‚Stateness’ in einer multinationalen Gesellschaft eine passende Konstellation darstellt“ (184).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.232.252.612.63 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Sharo Ibrahim Garip: Ethnische Konflikte im Vergleich: Baskenland – Kurdistan Wien/Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36411-ethnische-konflikte-im-vergleich-baskenland--kurdistan_44477, veröffentlicht am 14.11.2013. Buch-Nr.: 44477 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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