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/ 18.06.2013
Johanna Götz

Ethnische Grenzen und Frontlinien in Angola

Köln: Rüdiger Köppe Verlag 2002; 132 S.; brosch., 14,80 €; ISBN 3-89645-356-4
Angola erlebte 2001 sein 40. Kriegsjahr. Lange wurde der blutige Kampf als internationaler Stellvertreterkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion interpretiert. Doch nach Ende des Kalten Krieges nahmen die Kämpfe zwischen der Angolanischen Freiheitsbewegung (MPLA) und der Nationalen Vereinigung für die vollständige Unabhängigkeit Angolas (UNITA) wieder an Heftigkeit zu. Die vereinfachte Deutung des Konfliktes griff nicht mehr. Warum der Bürgerkrieg trotz internationaler Friedensbemühungen weitergeht, erläutert Götz in ihrer sehr stichhaltigen Einführung in das Thema. Der Krieg in Angola werde durch ethnische und internationale Faktoren begünstigt. Die ethnische Dimension zeige sich in der geografischen Herkunft der Konfliktparteien. Die MPLA habe ihre Hochburg in der Gegend um die Hauptstadt Luanda. Unterstützt werde sie von der Bevölkerungsgruppe Kimbundu und den Nachfahren aus Verbindungen von Portugiesen und Angolanern (Mestiços). Die Anhänger der UNITA stammten aus der Ethnie der Ovimbundu im Süden des Landes. „Der Konflikt ist ein politischer Machtkampf zwischen Parteien, die im Wettbewerb um den Zugang zu Ressourcen von der Unterstützung durch ihre ethnische Gruppe Gebrauch machen" (94). Beide Kriegsparteien vermarkten ihre Bodenschätze an andere Staaten und multinationale Konzerne, um mit den Einnahmen Waffen zu erwerben. Götz stellt fest: „International bleibt Angola auch nach dem Ende des Kalten Krieges ein Spielplatz für Rohstoffexporteure und Waffenlieferanten." (97) Inhaltsübersicht: 2. Versöhnung mit dem ‚Vielleicht' - Ein Ausflug in die Theoriendebatte; 3. Erinnerungen - Zukunftsvisionen: Hintergründe des Konfliktes; 4. „Wir legen nur Brennholz auf's Feuer ..." - Ethnisierung des Konflikts; 5. "Und eines Tages wird es ein Feuer geben, das niemand löscht" - Internationalisierung des Konflikts; 6. Quem é que gosta de guerra? - Wer mag denn den Krieg? Ein Konflikt mit ethnischer und internationaler Dimension.
Wilhelm Johann Siemers (SIE)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.672.252.234.41 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Johanna Götz: Ethnische Grenzen und Frontlinien in Angola Köln: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18495-ethnische-grenzen-und-frontlinien-in-angola_21427, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21427 Rezension drucken
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