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/ 13.02.2014
Rupert Neudeck

Es gibt ein Leben nach Assad. Syrisches Tagebuch

München: C. H. Beck 2013; 192 S.; 14,95 €; ISBN 978-3-406-65444-2
Ein Jahr lang hielt Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, seine Bemühungen fest, der syrischen Bevölkerung während des Bürgerkrieges mit dem Einsatz der Grünhelme e. V. „beim Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur zu helfen“ und vor allem Hoffnung zu geben. Angetrieben wird er dabei in erster Linie von Mitgefühl und Bewunderung für die Menschen, die darum kämpfen, einen Alltag im Krieg zu leben, sowie von der Enttäuschung über die internationale Gemeinschaft: „Der Westen hat in Syrien auf der ganzen Linie versagt. Seinen Worten sind keine Taten gefolgt. Und es gibt noch nicht einmal die gewohnte Empörung angesichts dessen, was ein Staatschef hier seinem Volk antut.“ (136) Neudecks Aufzeichnungen bieten einen sehr persönlichen, aber dadurch auch sehr nahen Einblick in das Leben der syrischen Zivilbevölkerung zwischen einer Regierung, die sich rücksichtslos gegen die Menschen stellt, und den verschiedenen Gruppierungen der Rebellen, die ebenfalls nur ihre eigenen Interessen verfolgen und die Konflikte untereinander auch auf dem Rücken der Bevölkerung austragen. Ebenso erfährt man vieles über die konkrete humanitäre Hilfe in einem Gebiet, in das man mit dem Bargeld in den Hosentaschen einreisen muss, in dem immer wieder Bomben fallen, in dem man der Bevölkerung die wachsende Lethargie angesichts des Grauens der Kämpfe ansieht, aber auch über das Vertrauen der Syrer gegenüber den helfenden Ausländern. In den Tagebucheinträgen wechseln sich Hoffnung und Aufbruchsstimmung ab mit Fassungslosigkeit und Frustration. Mit großer Sorge beobachtet Neudeck die zunehmende Zersplitterung und Radikalisierung der Oppositionskräfte im Verlauf des Bürgerkriegs, sein Fazit im Sommer 2013 klingt ernüchtert und hilflos: „Mit jedem Tag, an dem neues Leid produziert wird, setzt sich die Gewalt weiter fest, lösen sich die zivilen Ordnungen auf, dreht sich die Abwärtsspirale, die das Land immer tiefer hinein zieht in Chaos und Anarchie.“ (191)
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.632.25 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Rupert Neudeck: Es gibt ein Leben nach Assad. München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36729-es-gibt-ein-leben-nach-assad_44657, veröffentlicht am 13.02.2014. Buch-Nr.: 44657 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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