/ 21.06.2013
Claudia Wasmeier
Erfolgskriterien föderaler Transition. Eine vergleichende akteursbasierte Prozessanalyse anhand Spaniens, Belgiens und Russlands
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 327 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16443-4Politikwiss. Diss. Universität der Bundeswehr München. – Welche Faktoren müssen gegeben sein, damit eine föderale Transition, also der Wandel eines unitarischen in ein föderales Staatswesen, erfolgreich verläuft und stabil bleibt? Allseits akzeptierte demokratische Strukturen und konsensorientierte Akteure – so ließe sich Wasmeiers Antwort auf diese Frage, die sich durch ihre gesamte Dissertation zieht, vielleicht zusammenfassen. Sie belegt dies beispielhaft anhand dreier Staaten, von denen zwei vor Beginn des Föderalisierungsprozesses autoritär bzw. diktatorisch regiert wurden, bei denen also Demokratisierung und Föderalisierung zusammenfielen: Spanien und Russland. Nur der dritte Staat, Belgien, verfügte bereits über eine stabile demokratische Ordnung. Wasmeier analysiert nun nicht, oder nur sehr knapp, die Gründe, die zur jeweiligen Entscheidung für eine Föderalisierung geführt haben; sie setzt mit dem Mainstream der Föderalismusforschung voraus, dass es die jeweilige multiethnische, jedenfalls aber mehrsprachige oder, im Wortsinn, multikulturelle Struktur aller drei untersuchten Staaten ist, die dazu geführt hat. Dies ist sicherlich akzeptabel, wenngleich eine etwas ausführlichere Darstellung der administrativen Gliederung Spaniens in der Zeit vor 1975/77 den nachfolgenden Prozess in diesem Land – und dessen gegenwärtige Struktur – noch verständlicher hätte werden lassen. Abgesehen davon sind alle drei Länderstudien aber ausgesprochen fundiert geschrieben. Auch wenn noch nicht absehbar ist, ob die Föderalisierung Belgiens – Wasmeier spricht in allen drei Fällen nicht von Bundesstaatlichkeit! – diesen Staat langfristig zusammen halten kann, kann die Entwicklung Spaniens doch als Erfolgsgeschichte einer föderalen Transition gelten. Russland muss, wenig überraschend, als Negativbeispiel herhalten, vor allem weil, so Wasmeier, jene die Föderalisierung des Staates stützenden Demokraten fehlen. So bleibt Russland bis heute nicht nur für eine Re-Autokratisierung, sondern ebenso für eine Re-Zentralisierung am anfälligsten.
Sven Leunig (SVL)
Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 2.21 | 2.2 | 2.61 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Claudia Wasmeier: Erfolgskriterien föderaler Transition. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30476-erfolgskriterien-foederaler-transition_36184, veröffentlicht am 26.08.2009.
Buch-Nr.: 36184
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Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
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