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/ 26.02.2015
Gundi Dick

Eine Hand alleine kann nicht klatschen. Westsahara – mit Frauen im Gespräch

Wien: Löcker Verlag 2014; 174 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-85409-722-8
Gundi Dick ruft einen „‚vergessenen Konflikt‘“ (11) in Erinnerung und problematisiert, was dieser für die betroffenen Frauen bedeutet. Es geht um den Status der Westsahara, die zum großen Teil von Marokko annektiert wurde und zu einem kleineren Teil von der sahrauischen Befreiungsbewegung Frente Polisario kontrolliert wird, die sich für die Schaffung eines unabhängigen Staats auf dem Gebiet einsetzt. Seit 1991 sind die bewaffneten Auseinandersetzungen zwar offiziell beendet, aber bisher ist es noch zu keiner endgültigen Entscheidung gekommen, wodurch keine Ruhe einkehrt. Mehr als 100.000 Sahrauis leben immer noch in Flüchtlingslagern im Südwesten Algeriens. Die Autorin untersucht die Handlungsfähigkeit und den (politischen) Aktivismus sahrauischer Frauen, die als stark und emanzipiert gelten. Von Beginn an waren Frauen am Widerstandskampf der Frente Polisario beteiligt, bereits 1974 wurde eine Frauenunion innerhalb der Bewegung gegründet, die zwei Ziele verfolgte: „die personelle und ideologische Unterstützung der Polisario und die Umsetzung von Frauenrechten“ (39). Auch in die sahrauische Verfassung wurden die Teilhabe der Frauen und ihre politischen, ökonomischen und sozialen Rechte aufgenommen, „in Anknüpfung an nomadische Traditionen, als Ausdruck der Bedeutung von Frauen in der Gesellschaft und im Kampf um Unabhängigkeit“ (69). Einiges deutet darauf hin, dass aber nur in Verbindung mit diesem Kampf von Emanzipation gesprochen wird, dass Frauen in diesem Sinne für den Aufbau der zukünftigen Gesellschaft funktionalisiert werden, wie es auch schon Maria Mayrhofer (siehe Buch‑Nr. 43122) festhielt. Den Kern der Arbeit bilden Interviews, die Dick mit Frauen (und einem Mann) aus den Flüchtlingslagern und den besetzten Gebieten geführt hat, um die Annahme zu überprüfen. Dabei ging es ihr überwiegend um das Selbstverständnis der Frauen und um die Einschätzung ihrer Selbstbestimmung über das gemeinsame Ziel der nationalen Unabhängigkeit hinaus. Es ergibt sich ein vielschichtiges Bild starker, selbstbewusster Frauen, die wissen, dass es um mehr geht als um staatliche Selbstbestimmung. „Später, wenn wir in Freiheit leben“, so eine der Interviewten, „werden wir mit unseren Männern leidenschaftlich streiten“ (146).
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Rubrizierung: 2.672.274.41 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Gundi Dick: Eine Hand alleine kann nicht klatschen. Wien: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38107-eine-hand-alleine-kann-nicht-klatschen_45778, veröffentlicht am 26.02.2015. Buch-Nr.: 45778 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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