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/ 22.06.2013
Wolf J. Schünemann / Stefan Weiler (Hrsg.)

E-Government und Netzpolitik im europäischen Vergleich

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012; 451 S.; brosch., 54,- €; ISBN 978-3-8329-6529-7
E-Government gehört zu den Begriffen, die im Zusammenhang mit den Möglichkeiten demokratischer Entwicklung durch das Internet schon seit Jahren in der (Fach-)Öffentlichkeit, der Politik- und Verwaltungswissenschaft diskutiert werden. Relativ neu hinzu gekommen ist das Schlagwort Netzpolitik,das seinen Ursprung vor allem in den Auseinandersetzungen um die politische Gestaltungshoheit im Internet zu haben scheint, aber ebenso diffus und schillernd bleibt wie der zuerst genannte Begriff. Die Herausgeber des Sammelbandes haben sich zum Ziel gesetzt, terminologische Klarheit zu schaffen und ein sich eröffnendes Forschungsfeld zu strukturieren. Dazu legt Wolf J. Schünemann in seinem einleitenden Aufsatz sorgfältig konstruierte Definitionen vor, die E-Government als Verwaltungshandeln kennzeichnen und unter Netzpolitik „politikpraktische Vorgänge“ (29) in digital vernetzten Gesellschaften fassen. Ebenfalls ein einleitender Überblick ist der Text über die „Vermessung der Netzwerkgesellschaft“ (39), der aber weniger soziologisch informierte theoretische Überlegungen als vielmehr eine kritische Auseinandersetzung mit Untersuchungen zu E-Government im internationalen Vergleich bietet. Auch hier wird deutlich, dass die bisherige Forschung noch lückenhaft ist. Die drei weiteren Teile des Sammelbandes befassen sich in regionalen und nationalen Fallstudien mit Dimensionen der digital gestützten Verwaltung (Teil 1), Aspekten der „Politik fürs Netz“ (Teil 2) und „Erscheinungsformen von Politik im Netz“ (Teil 3). Die Auswahl der Aufsätze bietet ein äußerst breites Spektrum von Themen: von eher etablierten Debatten zu Verwaltungshandeln über Fragen der Rechtssicherheit bis hin zu neuen Phänomen wie der Twitter-Nutzung durch Bundestags- und Europaabgeordnete. Hier sieht Annette Knaut die ersten Ansätze zur Entstehung eines „transnationalen Diskursraums“ (411). Analysiert werden zudem Akteure wie der Chaos Computer Club und auch die prominent geführte Debatte um Medienkompetenz findet ihren Platz. Insgesamt bieten die Herausgeber einen informativen Überblick über ein sich entwickelndes Forschungsfeld. Sie leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zu seiner Strukturierung und begrifflichen Weiterentwicklung.
Sonja Borski (SBO)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin. Institut für Politikwissenschaft, Zentrum für die Didaktiken der Sozialwissenschaft, Universität Bremen.
Rubrizierung: 2.212.222.612.42.52.3312.3332.325 Empfohlene Zitierweise: Sonja Borski, Rezension zu: Wolf J. Schünemann / Stefan Weiler (Hrsg.): E-Government und Netzpolitik im europäischen Vergleich Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35582-e-government-und-netzpolitik-im-europaeischen-vergleich_42933, veröffentlicht am 06.12.2012. Buch-Nr.: 42933 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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