/ 16.01.2014
Claudia Derichs / Mark R. Thompson (Hrsg.)
Dynasties and Female Political Leaders in Asia. Gender, Power and Pedigree
Wien/Berlin: Lit 2013 (Politikwissenschaftliche Perspektiven 16); 388 S.; 44,90 €; ISBN 978-3-643-90320-4Das Buch ist das Ergebnis eines dreijährigen DFG‑Forschungsprojektes, das der Frage nachging, warum in einer ganzen Reihe von patriarchal und paternalistisch organisierten Ländern Nord‑, Süd‑ und Südostasiens Frauen in politische Spitzenämter und Führungsrollen gelangten, obwohl es ausreichend männliche Verwandte und Anwärter für diese Positionen gab. Für die Beantwortung dieser Frage bezogen die Projektmitarbeiter_innen, zu denen neben den beiden Herausgeber_innen auch Andrea Fleschenberg, Dagmar Hellmann‑Rajanayagam, Momoyo Hüstebeck und Ricarda Gerlach gehören, nicht nur bisherige Forschungsergebnisse und offizielle Berichte, sondern auch relevante Medienartikel mit ein. Außerdem interviewten sie soweit möglich die Politikerinnen selbst: Corazon Aquino (Philippinen), Benazir Bhutto (Pakistan), Sheikh Hasina Wajed (Bangladesch), Wan Azizah Wan Ismail (Malaysia), Tanaka Makiko (Japan) und Park Geun‑hye (Südkorea) sowie mehrere Verwandte, Vertraute und Kritiker_innen aus dem engen Umfeld. Das Ergebnis dieser Untersuchungen, die insbesondere das moralische Kapital als wichtiges analytisches Moment in den Blick nehmen, sind zum einen tiefe Einblicke in die Soziobiografie asiatischer Frauen sowie deren männlich dominiertes politisches Umfeld. Zum anderen arbeiten die Autor_innen in den Einzelfallstudien die zum Teil sehr divergierenden Einschätzungen und Bewertungen über den Führungsstil der Politikerinnen heraus. Im Falle Benazir Bhuttos etwa reicht er vom Machthunger über den „domineering style“ (83) einer starken, kämpfenden Führerin bis hin zum delegierenden, konsensualen „indirect leadership“ (84). Von der Öffentlichkeit wurde das Verhalten Bhuttos teilweise durch das sozio‑politische System sowie die Rolle und Funktion ihres Ehemanns entschuldigt, was in der Tat vielsagende Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Denkstrukturen zulässt. Am Ende des Buches vergleicht Claudia Derichs die Forschungsergebnisse und arbeitet hier die besondere Verbindung zwischen weiblicher politischer Führung in Asien und starken dynastischen Elementen heraus.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.23 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Claudia Derichs / Mark R. Thompson (Hrsg.): Dynasties and Female Political Leaders in Asia. Wien/Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36605-dynasties-and-female-political-leaders-in-asia_44153, veröffentlicht am 16.01.2014.
Buch-Nr.: 44153
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
CC-BY-NC-SA