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/ 05.06.2013
Stefan Braun

Duell zweier Freunde. Die USA und Israel bei der Friedenssuche im Nahen Osten

Münster: Lit 1999 (Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient 3); 467 S.; brosch., 59,80 DM; ISBN 3-8258-4014-X
Politikwiss. Diss. FU Berlin; Gutachterin: H. Haftendorn. - Der Autor hat trotz kleinerer Kritikpunkte ein verdienstvolles Werk geleistet; denn er hat die amerikanisch-israelischen Beziehungen im Kontext des arabisch-israelischen Konfliktes im Zeitraum von 1987 bis 1992 untersucht - in einer Zeit also, in der das Ende des Ost-West-Konflikts im Nahen Osten und der zweite Golfkrieg eine zentrale Verschiebung in den regionalen Kräfteverhältnissen bedeuteten. Theoretische Grundlage seiner Arbeit sind die Überlegungen von Robert D. Putnam zum "Zwei-Ebenen-Spiel" in internationalen Verhandlungen, d. h. zur notwendigen Berücksichtigung innen- wie außenpolitischer Determinanten und daraus resultierender Handlungsspielräume der einzelnen Akteure. Drei Prämissen, die er zu großen Teilen auch bestätigt findet, leiten Brauns Untersuchung: Erstens war im Untersuchungszeitraum die Akzeptanz der israelischen Regierung für die Formel "Land für Frieden" unerläßlich, damit die USA Elemente eines Friedensprozesses initiieren konnten. Zweitens mußte für dieses Ziel über den Regierungen des Likud die Drohung schweben, daß ihnen im Falle friedenspolitischer Intransigenz die parlamentarische Mehrheit in der Knesset entzögen würde, und drittens war die Entschlossenheit und innenpolitische Durchsetzungsfähigkeit der Bush-Administration Voraussetzung, um Druck auf Israel auszuüben und die innenpolitischen Handlungsspielräume der israelischen Regierungen jener Zeit, d. h. vor allem unter Ministerpräsident Shamir, einzuschränken. An dieser Stelle muß milde Kritik einsetzen. Braun unterschätzt die politische Wirkkraft der innenpolitischen Faktoren in den USA, die die pro-israelische Grundorientierung der amerikanischen Politik sicherstellen, d. h. des Kongresses und der pro-israelischen Lobby. Daß eine Präsidialadministration Israel den politischen "Schutzschirm" im Kontext des Friedensprozesses entzieht (33), dürften innenpolitische Kräfte zu verhindern wissen und haben es bislang auch getan. Gerade George Bush ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich trotz heftiger Auseinandersetzungen in der Siedlungsfrage und einer enormen Belastung der amerikanisch-israelischen Beziehungen die strategische Ebene des Verhältnisses nahezu unberührt bleibt. Ob das verwendete analytische Raster von Putnam so geeignet und innovativ für den Untersuchungsgegenstand ist, sei dahingestellt; mit etablierten Konzepten zum Verhältnis von Innen- und Außenpolitik und der entsprechenden Literatur zur Besonderheit der special relationship zwischen Washington und Jerusalem wäre der Autor wahrscheinlich ähnlich weit gekommen. Auch das Konzept des "Handlungsspielraumes", das den geistigen Mittelpunkt der Arbeit bildet, wirkt ein wenig gekünstelt. Letztlich verbirgt sich dahinter die Frage nach den Faktoren, die das Steuerungspotential der amerikanischen und der israelischen Regierung begünstigen oder beschränken, nach Hegemonie und Begrenzung. Schließlich ist der Stil für den Leser in weiten Teilen alles andere als einladend und erleichtert nicht die Lektüre. Ein entsprechendes Lektorat hätte den Wert des Buches, der trotz einiger Kritikpunkte nicht geschmälert werden soll, deutlich erhöht. Inhaltsübersicht: I. Vorüberlegung und Grundlage der Untersuchung: 1. Zur Prämisse und Fragestellung: Einleitung; 2. Das "Zwei-Ebenen-Spiel": der theoretische Rahmen der Untersuchung; 3. Die bilateralen Beziehungen und der Triumph des Status quo bis 1987. II. Untersuchung der drei US-Friedensinitiativen zwischen 1987 und 1992: 4. Die Intifada und die Friedensinitiative von George Shultz 1987/88; 5. Neuwahlen in Washington und Jerusalem und die Friedensinitiative unter George Bush 1989/90; 6. Der Krieg um Kuwait, die win-sets und die erneute Friedensinitiative unter George Bush 1991/92. III. Zusammenfassung und Ausblick: 7. Die USA, Israel und die Friedenssuche: Zusammenfassung und Bewertung eines Duells - vom Beginn der Intifada bis zu den Abkommen von Oslo.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.222.632.644.41 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Stefan Braun: Duell zweier Freunde. Münster: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7805-duell-zweier-freunde_10352, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10352 Rezension drucken
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