/ 18.06.2013
Andreas R. Klose
Dogmen demokratischen Geschichtsdenkens. Monumentalische Nationalgeschichtsschreibung in den USA
Würzburg: Königshausen & Neumann 2003; 528 S.; brosch., 75,- €; ISBN 3-8260-2456-7Geschichtswiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: W. P. Adams, E. Nolte. - Die Arbeit widmet sich dem historiografischen Genre der Nationalgeschichte, das in den USA weit stärker Fuß fassen konnte als in Europa, das aber auch dort im 19. Jahrhundert isoliert blieb. Nationalgeschichte entsteht für Klose im Versuch eines Autors, in epischem und zumeist an ein Lebenswerk gemahnendem Umfang die amerikanische Geschichte „ab coloniis conditis" (26) nicht nur auslegend, sondern auch gezielt sinngebend darzustellen. Damit wäre ihr einerseits ein Denkmal gesetzt, während sie zugleich mit politisch-normativem Anspruch in die Zukunft hinein verlängert gedacht und präsentiert werde. „Halb Geschichtsphilosophen und halb Priester" (5), seien die Nationalhistoriker über eine neutrale Historiografie weit hinaus gegangen, ließen sich aber umgekehrt auch nicht auf das Dogmatische reduzieren. Ausgehend vom bereits in der Antike zwiespältigen Begriff "Dogma", der sowohl die Meinung als auch den Wunsch bzw. die Forderung einer Person bezeichne, untersucht Klose (erklärtermaßen epagogisch), inwieweit „der dogmatische und quasireligiöse Gehalt bestimmter demokratischer Denkformen" (21) in der amerikanischen Nationalgeschichtsschreibung mit dem von ihr verfochtenen Demokratie-Ideal vereinbar ist.
Inhaltsübersicht: I. Die Historiker und die Entstehung der Nationalgeschichten: George Bancroft - Romantiker ohne Schwermut; Woodrow Wilson - Führerschaft als Selbstberauschung; Charles Beard - Rebell aus Streitsucht. II. Auslegungen und Sinngebungen der Nationalgeschichte: Stil und Komposition; Historiographische Absichten und Bekenntnisse; Helden und Gestalten; Kolonisierung, Revolution und Verfassungsgebung; Expansion, Frontier und Ureinwohner; Der Alte Süden, Sklaverei und Sezession; Industrialisierung, Einwanderung und Demokratisierung; Die Kulturgeschichte; Das Bildhafte der Nationalgeschichten und ihre Illustrationen; Anthropologie und Geschichtsphilosophie; Konsens und Konflikt in Gesellschaft und Politik; Kontinuität und Diskontinuität der Institutionen und Mentalitäten; Die Idee des Exzeptionalismus und das Verhältnis zwischen Nation und Demokratie; Das verlorene Gewissen der Nation.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.64 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Andreas R. Klose: Dogmen demokratischen Geschichtsdenkens. Würzburg: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19001-dogmen-demokratischen-geschichtsdenkens_22048, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22048
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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