Skip to main content
/ 03.06.2013
Gerhard Th. Mollin

Die USA und der Kolonialismus. Amerika als Partner und Nachfolger der belgischen Macht in Afrika 1939 - 1965

Berlin: Akademie Verlag 1996 (Studien zur Internationalen Geschichte 1); 544 S.; 148,- DM; ISBN 3-05-002735-5
Habilitationsschrift Bochum. - Die amerikanischen Interessen am Kongo waren zunächst vor allem wirtschaftlich motiviert. Den Zugang zu den Uran- und Erzvorkommen erlangten die USA allerdings erst mit Beginn der Westoffensive Hitlers 1940. Belgien fand in den USA einen bereitwilligen Partner, die Schwierigkeiten bei der wirtschaftlichen Kontrolle der an Bodenschätzen reichen Kolonie während des Krieges zu beheben. Nach Kriegsende steigerte sich zwangsläufig die Verwicklung amerikanischer Interessen im Kongo, bis sie schließlich durch die Unabhängigkeit und durch die anschließende Kongo-Krise bedroht wurden. Mollin teilt seine Darstellung folgerichtig in drei Abschnitte: Zunächst zeigt sich der Kongo als idealer Lieferant der amerikanischen Kriegswirtschaft, dann erweist sich die belgische Kolonie aufgrund ihrer Uran-Vorkommen als Bollwerk der amerikanischen und westlichen Sicherheit, ehe schließlich der Kongo Schauplatz eines der Stellvertreter-Kriege der sechziger Jahre wird. Für Mollin sind die wirtschaftlichen Interessen der Motor für die amerikanischen Bemühungen um den Kongo. Allerdings geriet man dadurch in einen politischen Erklärungsnotstand, der nur schwer verdeckt werden konnte. Man tat sich schwer, die eigenen liberalen Prinzipien in Afrika umzusetzen. So versuchten die USA, die Unabhängigkeitsbewegungen einerseits zu stützen, um sie nicht ins sowjetische Lager abdriften zu lassen, aber andererseits bremsten sie die Entwicklung, ganz in der Tradition der europäischen Kolonialmächte. Schließlich wechselte Washington lediglich das zu unterstützende System — von der belgischen Kolonialverwaltung hin zum diktatorischen Mobutu-System —, um seinen außenpolitischen Globalkurs gegenüber der UdSSR nicht verlassen zu müssen. Das Prinzip, um die Widersprüche im amerikanischen Vorgehen auszuräumen, lautete: "kurzerhand zur 'Freien Welt' zu zählen, was nicht zu ihr gehören konnte" (495).
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.222.642.612.674.3 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Gerhard Th. Mollin: Die USA und der Kolonialismus. Berlin: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2813-die-usa-und-der-kolonialismus_3710, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 3710 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA