/ 20.06.2013
Hans-Peter Raddatz
Die türkische Gefahr? Risiken und Chancen
München: Herbig 2004; 287 S.; 22,90 €; ISBN 3-7766-2392-6Zur aktuellen Debatte über den EU-Beitritt der Türkei sowie die Integration türkischer Immigranten in Deutschland bezieht Raddatz einen eindeutigen, abgrenzenden Standpunkt. Das Fragezeichen im Titel ist dabei unangebracht, da das Buch nicht - wie im Untertitel angekündigt - „Risiken und Chancen" erörtert, sondern nur auf Bedrohungen durch den aktuellen Islamismus eingeht. Ein „Leitkartell" westlicher Politiker, Wissenschaftler und Journalisten verharmlose das Problem. In einem kurzen Abriss handelt der Autor im ersten Teil die vorislamische, die islamische und die osmanische Geschichte ab und beschreibt angebliche „Merkmale, die für die Türken dauerhaft kennzeichnend wurden und heute noch sind" (13). Im zweiten Teil wird die türkische Zeitgeschichte dargestellt; Raddatz geht dabei vor allem auf die durch Säkularisierung und Strukturwandel bedingte kulturelle Spaltung des Landes ein. Der letzte Teil stellt eine Generalabrechnung mit der deutschen und europäischen Politik dar. Das Buch zeichnet sich durch einen unwissenschaftlichen, teilweise plakativen Schreibstil aus und wird dem vom Autor selbst gesetzten Anspruch nicht gerecht. Raddatz gelingt es nicht, die von ihm kritisierten unsachlichen und ideologischen Argumente des „Leitkartells" und der Beitrittsbefürworter zu entkräften, weil er selbst diesem Stil verhaftet bleibt.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.63 | 2.2 | 2.23 | 2.35 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Hans-Peter Raddatz: Die türkische Gefahr? München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22501-die-tuerkische-gefahr_25674, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25674
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
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