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/ 05.06.2013
Yusuf Aslan

Die Türkei: von der West-Integration zur Ost-Wendung? Institutioneller Verwestlichungsprozeß in der türkischen Geschichte und dessen Auswirkungen auf die türkische Außenpolitik unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen der Türkei zum Europa-Rat, der NATO und der EU

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1998 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 373); 248 S.; brosch., 69,- DM; ISBN 3-631-33940-2
Diss. FB Gesellschaftswissenschaften Frankfurt a. M.; Erstgutachter: L. Brock, Zweitgutachter: U. Steinbach. - Der Autor untersucht die außenpolitischen Optionen der Türkei nach dem Ende der Ost-West-Bipolarität. Soll sie sich weiterhin an den Westen binden und danach streben, die mit dem Beitritt in den Europarat und in die NATO sowie mit dem Assoziierungsabkommen mit der EG begonnene Westintegration fortsetzen zu können, oder soll sie sich vom Westen abwenden und ihren Platz in der Region (Naher Osten, Kaukasus, Turkrepubliken) suchen? Aslan bezeichnet diese Option als "Ostwendung" (14). Die Beibehaltung des Kurses gen Westen ließe sich ökonomisch mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Europa und sicherheitspolitisch mit der NATO-Mitgliedschaft begründen. Für die "Ostwendung" ließe sich dagegen ins Feld führen, daß die Türkei als islamisches Land nicht Teil des Abendlandes ist und sie es in ihrer Region leichter hätte, als gleichberechtigter Partner aufzutreten. Aslan untersucht beide Optionen, indem er zum einen nach "den Chancen einer Verwestlichung der Türkei auf der Basis der bisher erreichten institutionellen Integration in NATO und EU" fragt, zum anderen untersucht, "ob die Weiterentwicklung bestehender Integrationsansätze in der Region als sinnvoll erscheint" (16). Als theoretischen Bezugsrahmen für die Analyse des Prozesses der Verwestlichung setzt der Autor Dependenz- (für die nichtinstitutionelle Westintegration) und Integrationstheorien (für die institutionelle Integration) ein. Als Ergebnis präsentiert er die These, daß die Türkei gar nicht die Wahl zwischen einer fortzusetzenden Westintegration und einer "Ostwendung" besitze. Ökonomische und sicherheitspolitische Interessen böten keine Alternative zur Westintegration. (Die Begründung, die Türkei benötige dringend die NATO, um nicht ständig Gefahr zu laufen, in Kriege verwickelt zu werden [222 f.], erscheint angesichts der wiederholten türkischen Kriegsdrohungen gegenüber den Nachbarn Griechenland und Syrien und der noch häufigeren Einmärsche in den Nordirak allerdings nicht unbedingt zwingend schlüssig.) Ökonomisch könnte aber eine "gewisse 'Ostwendung'" hilfreich sein – additiv, nicht alternativ zur Westbindung (223).
Detlef Lemke (Le)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.634.22 Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Yusuf Aslan: Die Türkei: von der West-Integration zur Ost-Wendung? Frankfurt a. M. u. a.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7663-die-tuerkei-von-der-west-integration-zur-ost-wendung_10171, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10171 Rezension drucken
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