/ 06.06.2013
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.)
Die State-of-Peace-Konferenz. Ein Rückblick auf 25 Jahre österreichische Friedens- und Konfliktforschung. Friedensbericht 2011
Wien/Berlin: Lit 2012 (Dialog: Beiträge zur Friedensforschung 62); 460 S.; 9,80 €; ISBN 978-3-643-50363-3Das 25. Jubiläum der regelmäßig in Österreich stattfindenden State-of-Peace-Konferenzen bot für das Herausgeberkomitee den Anlass, eine Anthologie ausgewählter Beiträge der vergangenen 25 Jahre zu erstellen. Die Projektleiter Bert Preiss und Ronald Tuschl wählten Artikel aus, die noch immer über einen gültigen Aktualitätsbezug verfügen. So fragen Patricia Bauer und Bertold Schweitzer in ihrem erstmals 2006 veröffentlichten Beitrag, ob die ökonomische Entwicklung der EU tatsächlich derart disparat ist, dass politische Systemblockaden wahrscheinlicher werden und die bisherige Systemlogik infrage stellen. Beide Autoren konstatieren ein deutliches ökonomisches Gefälle innerhalb der EU, das sich als Zentrum-Peripherie-Modell denken lässt. Durch die fehlende Konvergenz werden supranationale Handlungsspielräume der Politik stark eingeengt, ein verstärkter Einsatz intergouvernementaler Strategien wird wahrscheinlich. Das derzeitige Verhandlungssystem der EU blockiert den angestrebten Integrationsprozess. „Diese möglichen Defekte der Integration sind deshalb von hoher Brisanz, weil sie den einzigen Klebstoff angreifen, der die innere Kohärenz aufrechterhält“ (319). Erosionsprozesse schließen sie daher nicht aus. Diese Entwicklung ist nach Ansicht von Bauer und Schweitzer jedoch nicht zwangsläufig, sondern ihr kann politisch begegnet werden. Dafür schlagen sie unter anderem vor, die lobbyistisch besetzte Distributivpolitik zu entschlacken. „Die klare Entscheidung zur Solidarität der EU mit den leistungsschwächsten Mitgliedern würde diesen Schritt zementieren und die Legitimation der EU – gerade in den mittel- und osteuropäischen Ländern – steigern helfen“ (319). Ebenfalls noch immer aktuell, wenngleich 1990 erstveröffentlicht, ist der Beitrag von Günther Bächle. Seiner Ansicht nach machen die Eingriffe in das globale Ökosystem und der anthropogen verursachte Klimawandel die zukünftig zu erwartenden ökologischen Bedrohungen bereits zu einem Gegenstand der Friedens- und Sicherheitsforschung. Angesichts der ökologischen Entwicklungen, die bi- und multilaterale Konflikte überlagern werden, muss nach Ansicht von Bächle global und schnell nach Lösungen gesucht werden.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.41 | 4.3 | 3.6 | 2.25 | 2.61 | 2.63 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.): Die State-of-Peace-Konferenz. Wien/Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9187-die-state-of-peace-konferenz_42619, veröffentlicht am 13.12.2012.
Buch-Nr.: 42619
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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