/ 22.06.2013
Linda Märk-Rohrer
Die Sozialpolitik der Schweizer Gewerkschaften. Eine Analyse der Umbruchphasen von Unterstützungskassen, GAV und Gesetz
Saarbrücken: Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften 2012; 596 S.; 128,- €; ISBN 978-3-8381-3315-7Diss. Bern. – Linda Märk-Roher untersucht erstens die Veränderung der Strategien und Ziele Schweizer Gewerkschaften in Bezug auf sozialpolitische Maßnahmen (Unterstützungskassen, Gesamtarbeitsverträge und Gesetz). Zum aktuellen Status schreibt sie: „Die Gewerkschaftskassen erleben […] einen Funktionsverlust. Die soziale Absicherung durch den Gesamtarbeitsvertrag […] wird derzeit als komplementär zu gesetzlichen Lösungen verstanden und durch verbesserte staatliche Leistungen ausgebaut. Hingegen hat die gesetzliche Sozialpolitik […] anhand von direktdemokratischen Einflussmöglichkeiten [...] an Priorität gewonnen“ (13). Zweitens analysiert sie die Gründe für die historisch unterschiedliche Schwerpunktsetzung hinsichtlich dieser in Verbindung mit den Policy-Positionen der Gewerkschaften zur Krankenversicherung. Ihre Grundhypothese lautet wie folgt: „Gewerkschaften [werden] in ihren Einstellungen zur Entwicklung der Krankenversicherung […] von ihren Einstellungen zu den drei sozialpolitischen Instrumenten beeinflusst“ (15). Den jeweils stärksten Einfluss auf die Instrumente hatten um 1890 gewerkschaftsinterne (beispielsweise Zunfttradition) und staatliche Faktoren (Ausbau des Wohlfahrtsstaates zum Gründungszeitpunkt), später gefolgt von arbeitgeber- und branchenbezogenen Faktoren. Ab den 1970er-Jahren überwogen wirtschaftliche (Beschäftigungslage, Strukturwandel) und gewerkschaftsinterne Faktoren. Hinsichtlich der drei Instrumente stellt sie deren enge Verbindung heraus; demnach „bilden die Unterstützungskassen […] das Fundament, auf welchem die anderen beiden Instrumente angewandt werden. Das Gesetz und die GAV [...] wirken oft komplementär. War die Durchsetzung eines GAV schwierig, dann versuchten sich die Gewerkschaften auf der Ebene des Gesetzes“ (553). Gewerkschaften werden laut Märk-Rohrer letztlich weder einseitig vom historischen Kontext determiniert noch sind sie in ihrer Entscheidungsfindung vom jeweiligen Kontext unabhängig; in ihren sozialpolitischen Präferenzen und Strategien sind sie zugleich uneinheitlich, woraus ein großer Forschungsaufwand resultiert.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.22 | 2.262
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Linda Märk-Rohrer: Die Sozialpolitik der Schweizer Gewerkschaften. Saarbrücken: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35446-die-sozialpolitik-der-schweizer-gewerkschaften_42728, veröffentlicht am 24.01.2013.
Buch-Nr.: 42728
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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