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/ 11.06.2013
Klaus Bolz / Dieter Lösch / Peter Plötz / Andreas Polkowski

Die Rolle des Staates in der Wirtschaft in Estland, Lettland und Litauen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1999 (Veröffentlichungen des HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung 49); 277 S.; brosch., 69,- DM; ISBN 3-7890-5934-X
Obwohl die marktwirtschaftliche Umgestaltung Estlands, Lettlands und Litauens weiter vorangekommen ist als in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken (wie z. B. in Rußland oder der Ukraine), bestehen zwischen den drei Ländern in diversen Bereichen deutliche Unterschiede. Dies verdeutlicht die Entscheidung der Europäischen Union (EU) im Juli 1997, zunächst nur Beitrittsverhandlungen mit Estland aufzunehmen. Lettland und Litauen reagierten darauf enttäuscht bis empört. Dahinter steht aber die Frage, wie EU-reif die baltischen Staaten sind. Die Richtlinien der Europäischen Union zur Vollendung des Binnenmarktes sind der Maßstab für den Grad der EU-Reife dieser Länder. Wichtig dabei ist die reduzierte Rolle des Staates. Gemaß der herrschenden Meinung sollte der Staat nur solche Aufgaben übernehmen, welche sich auf die Setzung der Rahmenbedingungen, die Korrektur von Marktversagen und Verteilung konzentrieren. Die vom Staat diesbezüglich eingesetzten Instrumente und Methoden sollten möglichst marktkonform sein. Von diesem Standpunkt aus untersuchten die Autoren, Mitarbeiter des HWWA-Instituts, im Auftrage des Bundeswirtschaftsministeriums die Einflußnahme des Staates auf die Wirtschaft Estlands, Lettlands und Litauens. Dabei zeigte sich, daß die Entstaatlichung in den Sektoren, die Waren und Dienstleistungen produzieren sowie in den Infrastrukturbereichen Telekommunikation, Eisenbahn und Energie in Estland am weitesten fortgeschritten ist, gefolgt von Lettland und Litauen. "Ursächlich für die aufgezeigten Ergebnisse im Entstaatlichungsprozeß sind die über die letzten Jahre zu beobachtenden Unterschiede im politischen Konsens hinsichtlich der Ziele der Transformationspolitik." (83) Dieser Befund der HWWA-Experten deckt sich also mit der Einschätzung der EU, nur Estland den Beitritt anzubieten. Inhaltsübersicht: 1. Wettbewerbspolitik und sonstige staatliche Regulierungen; 2. Das noch verbliebene Engagement des Staates in den Waren und Dienstleistungen produzierenden Sektoren; 3. Einfluß des Staates in den Infrastrukturbereichen Telekommunikation, Eisenbahn und Energie - Einbeziehung dieser Bereiche in den wirtschaftlichen Wettbewerb.
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.622.222.2622.2 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Klaus Bolz / Dieter Lösch / Peter Plötz / Andreas Polkowski: Die Rolle des Staates in der Wirtschaft in Estland, Lettland und Litauen Baden-Baden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9826-die-rolle-des-staates-in-der-wirtschaft-in-estland-lettland-und-litauen_11584, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11584 Rezension drucken
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