/ 21.06.2013
Klaus Woltron
Die Perestroika des Kapitalismus. Ein Aufruf zum Systemwechsel
St. Pölten: Residenz Verlag 2009; 206 S.; brosch., 17,90 €; ISBN 978-3-7017-3131-2Der Autor, selbst Unternehmer und früher in hohen Managementpositionen tätig, legt ein energisches Plädoyer für eine radikale Reformierung des kapitalistischen Wirtschaftssystems vor. Er reiht sich damit in jene Reihe der Autoren einer wachsenden Zahl von Publikationen ein, die selbst Akteure des kapitalistischen Systems sind und dennoch dessen gegenwärtige Verfassung kritisieren. Woltron sieht durchaus die positiven Seiten des Kapitalismus. Dieser entfalte unter Umständen enorme Produktivkräfte, die in Europa oder den USA zu unbekanntem Wohlstand geführt haben. Und dennoch sind in den letzten Jahren und mit der Finanzkrise des Jahres 2008 endgültig dessen Verfallserscheinungen sichtbar geworden. Neben der systembedingten maßlosen Ausbeutung natürlicher Ressourcen wachse auch zunehmend die soziale Ungleichheit weltweit. Kapital zeige sich eben dort produktiver, wo bereits Kapital vorhanden ist: in den Händen der wohlhabenden Staaten und Schichten, so Woltron. Seit den 70er-Jahren, führt der Autor aus, sei mit der Einrichtung von Lehrstühlen für Wirtschaftsethik und diversen Initiativen zwar viel getan worden, aber dennoch konstatiert er einen Verfall der Werte und bezeichnet Corporate Responsibility als „Feigenblatt“ (110), das man sich erst bei entsprechend großem Druck der Öffentlichkeit umhänge. Zum Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie stellt Woltron die Formel auf, „dass die Funktionsfähigkeit der Demokratie in einem umgekehrten Verhältnis zum Grad an materieller Ungleichheit einerseits und zur Dynamik technischer und wirtschaftlicher Entwicklung andererseits steht“ (129). Neben der Nachhaltigkeit des Wirtschaftens fordert der Autor u. a. von einer visionären Demokratie, die nicht nur auf den Kapitalismus reagiere, sondern ihn auch gestalte, die Einführung eines Freigeldsystems, eine Verstaatlichung des Bankenwesens, eine Rückführung der Zinsen über das Steuersystem an die Bürger und „ein verbindliches Qualifikations- und Schulungssystem“ für „politische Mandatare“ (181).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Klaus Woltron: Die Perestroika des Kapitalismus. St. Pölten: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30554-die-perestroika-des-kapitalismus_36280, veröffentlicht am 20.05.2009.
Buch-Nr.: 36280
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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