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/ 03.07.2014
Bernhard Schmid

Die Mali-Intervention. Befreiungskrieg, Aufstandsbekämpfung oder neokolonialer Feldzug?

Münster: Unrast 2014; 158 S.; 14,- €; ISBN 978-3-89771-051-1
Das westafrikanische Mali hat es hierzulande selten in die Schlagzeilen geschafft. Auch wenn sich dies mit dem militärischen Eingreifen Frankreichs im Januar 2013 geändert hat, bleiben die Hintergründe und Motive dieser Intervention in vielen Teilen unklar. Bernhard Schmid, freier Journalist und Autor mit Schwerpunkt französischsprachiges Afrika, geht in seinem Buch diesen Fragen nach: Handelt es sich bei Frankreichs Vorgehen um die Bekämpfung jihadistischer Aufständischer als Teil des Kriegs gegen den Terror? Oder geht es der Grande Nation vielmehr um neokoloniale Ordnungspolitik? Schmid liefert neben einer Untersuchung des französischen Eingreifens selbst eine detaillierte Schilderung der Ereignisse, die zuvor zur Krise in Nord‑Mali führten. In seiner Betrachtung geht er zudem über die eigentliche Intervention hinaus und schließt die jüngeren politischen Entwicklungen, insbesondere die Ereignisse um die Präsidentschaftswahlen im Sommer 2013, ein. Der Autor interpretiert die komplexe Gemengelage aus Korruption, wirtschaftlicher und politischer Vernachlässigung des Nordens des Landes, der inneren Spaltungen der Tuareg und einer Mischung aus organisierter Kriminalität und jihadistischen Bewegungen („Narco‑Jihadisten“, 27) als ursächlich für die Krise. In der malischen Bevölkerung macht Schmid einen Zwiespalt aus, der sich aus der Befürwortung der französischen Intervention zur Bekämpfung der islamistischen Kräfte im Norden einerseits und den „neokolonialen Hintergedanken Frankreichs“ (83) andererseits ergibt. Das Problem der Wahrnehmung bestimmt Schmids Analyse, wenn es darum geht, die titelgebende Frage nach den Motiven der Intervention zu beantworten. Für einen Befreiungskrieg fehlt das Emanzipatorische, für Aufstandsbekämpfung ein wirklicher Aufstand. Einzig die Vorstellung eines „neokolonialen Feldzugs“ Frankreichs, der einer auf „strukturelle[r] Unterentwicklung und auf Überausbeutung beruhenden Ordnung“ (155) gilt, sieht Schmid als teilweise zutreffend an – auch wenn dies nicht die Sichtweise der malischen Bevölkerung sei. Das Buch bietet keine politikwissenschaftliche Analyse, sondern eine durch historische, wirtschaftliche, politische und kulturelle Hintergrundinformationen angereicherte Zusammenschau der Entwicklungen der vergangenen drei Jahre, die vor allem auf französischen Presseberichten, Agenturmeldungen und Internetquellen basiert.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.412.612.67 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Bernhard Schmid: Die Mali-Intervention. Münster: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37242-die-mali-intervention_44724, veröffentlicht am 03.07.2014. Buch-Nr.: 44724 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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