Skip to main content
/ 22.06.2013
Deniz Danaci

Die Macht sozialer Identitäten. Einstellungen und Abstimmungsverhalten gegenüber Minderheiten in der Schweiz

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Politik und Demokratie in den kleineren Ländern Europas 3); 194 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8329-7383-4
Diss. Bern; Begutachtung: A. Vatter, H. Kriesi. – Nahezu jeder Schweizer gehört einer Minderheit an, sei es sprachlich, konfessionell oder hinsichtlich der geografischen oder sozialen Herkunft. Dieser Umstand gilt oft als Erklärung für die Entstehung konsensueller und konkordanter Entscheidungsmechanismen in Gesellschaft und Politik. Diese werden oft als das Erfolgsgeheimnis der Schweiz angesehen. Gleichwohl gibt es auch erkennbare Vorbehalte und Vorurteile gegenüber ethnischen, religiösen und sozialen Minderheiten, was sowohl in Meinungsumfragen (WVS-Daten) als auch in Abstimmungsergebnissen auf kantonaler und eidgenössischer Ebene zum Ausdruck kommt. Seit der Schwarzenbach-Initiative von 1971 wurden wiederholt Abstimmungen zur Zuwanderung und über die rechtliche Stellung der Ausländer durchgeführt, zum Teil mit überraschend deutlichen Ergebnissen. Jüngstes Beispiel dafür war die Abstimmungsmehrheit für die Initiative „Gegen den Bau von Minaretten“ im Jahr 2009. Deniz Danaci untersucht, woher diese Skepsis und Vorbehalte in Teilen der Schweizer Bevölkerung rühren. Seine zentrale These lautet, dass die Einstellungen und das Abstimmungsverhalten der Schweizer gegenüber (neuen) Minderheiten nicht so sehr auf (wirtschaftlichen) Interessen beruhen. Eine Reihe theoretischer und empirischer Analysen der Einstellungen und des Abstimmungsverhaltens der Schweizer Bürger mache deutlich, dass deren Haltung gegenüber Minderheiten in erster Linie auf unterschiedliche Konzepte von Kultur und Identität zurückzuführen sei. In der Schweiz bestehe, wie in anderen Ländern auch, eine Konfliktlinie zwischen denjenigen, die eine politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Öffnung gegenüber dem Ausland unterstützten, und denjenigen, die dies ablehnten. Da dieser Konflikt auf unterschiedlichen Identitäten und Begriffen von Kultur gründe, könnten die damit verbundenen Streitigkeiten nicht in Verhandlungen beigelegt werden. Der Autor empfiehlt in seinen Schlussfolgerungen Wachsamkeit gegenüber Fremdenfeindlichkeit, verstecktem Antisemitismus und Diskriminierung von Minderheiten.
Burkard Steppacher (BKS)
Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
Rubrizierung: 2.52.222.23 Empfohlene Zitierweise: Burkard Steppacher, Rezension zu: Deniz Danaci: Die Macht sozialer Identitäten. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35564-die-macht-sozialer-identitaeten_42908, veröffentlicht am 03.01.2013. Buch-Nr.: 42908 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA