/ 17.06.2013
Isabella Radhuber
Die Macht des Landes. Der Agrardiskurs in Bolivien: eine Analyse der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen und der Machtbeziehungen
Wien/Berlin: Lit 2009 (Investigaciones 12); 166 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-643-50048-9Diese Analyse des Agrardiskurses bezieht sich auf eines der zentralen Wahlversprechen des ersten indigenen Staatsoberhauptes Südamerikas, Evo Morales. Der selbst aus den sozialen Bewegungen stammende Präsident vereint eine der Kernforderungen der Aufständischen seit dem Jahr 2000, die zu einer permanenten innenpolitischen Instabilität geführt und einen gesellschaftlichen Wandel in Gang gesetzt haben. „Das in den letzten 30 Jahren vernachlässigte Thema der Agrarreform findet sich wieder ins Zentrum der politischen und akademischen Debatte gerückt“ (11) schreibt Radhuber und legt mit ihrem Buch die deutsche Version des von ihr zuvor auf spanisch publizierten Bandes mit dem Titel „El Poder de la Tierra“ vor. Dies ermöglicht allen Lateinamerika-Interessenten auch ohne Spanischkenntnisse die Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft, die laut der Autorin durch einen hohen Grad an Politisierung gekennzeichnet ist. Radhuber bewegt sich mit ihrer Analyse am Puls der Lateinamerika-Forschung. Gerade der Agrardiskurs eignet sich besonders für die Darstellung der aktuellen Auseinandersetzungen verschiedener Konfliktakteure, da Bolivien eines der Länder mit der höchsten Landkonzentration der Region ist. In Bolivien finden sich Konzepte der Indígenas von Land, Territorium und Territorialität, die den marktorientierten Vorstellungen der Agrarunternehmer diametral entgegenstehen. Insofern tangiert die Bodenreform die Interessen einer machtvollen Unternehmerelite. Vor dem Hintergrund einer historischen Darstellung der Agrarpolitik in Bolivien liefert die Autorin einen hervorragenden Überblick über die Diskurspositionen der unterschiedlichen Akteure, die über eine Medienanalyse und zahlreiche Leitfadeninterviews herausgearbeitet werden. In Anlehnung an das Konzept von Michel Foucault wird ein machttheoretischer Zugang gewählt, der den Kernbestandteil der Arbeit ausmacht. Damit werden Machtbeziehungen über die Diskurse eruiert, um Fragen nach der historischen Formierung des Agrardiskurses und dem Verhältnis der Akteure zueinander samt ihrer Handlungsstrukturen zu beantworten.
Andreas Hetzer (AHE)
Diplom-Medienwirt, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fach Politikwissenschaft, Universität Siegen.
Rubrizierung: 2.65 | 2.22 | 2.262
Empfohlene Zitierweise: Andreas Hetzer, Rezension zu: Isabella Radhuber: Die Macht des Landes. Wien/Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14842-die-macht-des-landes_37907, veröffentlicht am 17.02.2010.
Buch-Nr.: 37907
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Diplom-Medienwirt, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fach Politikwissenschaft, Universität Siegen.
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