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/ 21.06.2013
Peter Ullrich

Die Linke, Israel und Palästina. Nahostdiskurse in Großbritannien und Deutschland

Berlin: Karl Dietz Verlag 2008 (Rosa-Luxemburg-Stiftung: Texte 48); 327 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-320-02156-6
Politikwiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: J. Gerhards, D. Rucht. – Innerhalb der linken Szene ist der Nahostkonflikt eines der herausragenden Themen. Dabei wird Israel zunehmend für seine Besatzungspolitik kritisiert. Zudem beobachtet der Autor antagonistische Identifikationen der linken Aktivistinnen und Aktivisten mit der einen oder anderen Konfliktpartei. Ihn interessieren die bestimmenden Einflüsse für diese Positionierungen: „Militanter Antizionismus und antisemitische Entgleisungen der Linken werden mit nationalen Exkulpations- oder Identifikationsbedürfnissen infolge der NS-Zeit erklärt. Sie rührten aus dem Wunsch, wieder Frieden mit der ‚Nation’ schließen zu können. Und das andere Extrem, die pro-israelischen sogenannten Antideutschen führen die gegen die ‚eigene’ nationale Herkunft gerichtete Bestimmung nicht nur im Namen. Fast schon zum Standardrepertoire ihrer KritikerInnen gehört es nämlich auch, sie als ganz besonders deutsch zu klassifizieren“ (12). Diese Einschätzungen lassen sich nach Meinung des Autors am besten aus einer länderübergreifenden Perspektive heraus überprüfen. Ihn interessieren die jeweiligen Prägungen durch den Diskurs des Herkunftslandes. Dafür stellt er typisch deutsche Positionen typisch britischen gegenüber. Großbritannien liefert in Bezug auf das Kernthema einen maximalen Kontrast, da die britische Linke, im Gegensatz zur deutschen, als besonders pro-palästinensisch gelte. Darüber hinaus sind beide Länder auf sehr unterschiedliche Weise in den Konflikt involviert: Großbritannien durch seinen Status als Quasi-Kolonialmacht in der Region und Deutschland durch die Shoah. Im Rahmen der auf der Basis von qualitativen Interviews durchgeführten Studie kommt der Autor zu der Erkenntnis, dass die Sympathie mit den Palästinensern zwar allgemein überwiege, die vom Antisemitismus betroffenen Juden die linke Szene aber vor große Herausforderungen stellen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.222.612.3312.232.354.412.63 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Peter Ullrich: Die Linke, Israel und Palästina. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29974-die-linke-israel-und-palaestina_35524, veröffentlicht am 18.02.2009. Buch-Nr.: 35524 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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