/ 22.06.2013
Werner Lachmann / Reinhard Haupt / Karl Farmer (Hrsg.)
Die Krise der Weltwirtschaft. Zurück zur Sozialen Marktwirtschaft und die ethischen Herausforderungen auf dem Weg dahin
Berlin: Lit 2011 (Marktwirtschaft und Ethik 15); XIII, 148 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-10955-2Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ist in diesem Sammelband Ausgangspunkt einer Bestandsaufnahme und Reflexion über einen möglichen Ausweg aus der Krise. Geboten wird vor allem ein Ausblick auf eine Wirtschaftsordnung jenseits solcher Katastrophenszenarien. Im Mittelpunkt der Aufsätze, die auf eine Tagung aus dem Jahr 2009 zurückgehen, steht immer wieder die Frage nach einem ordnungspolitischen Entwurf, der sich – ausgehend von einer Analyse der Krisenmechanismen – maßgeblich aus einer spezifisch christlichen Ethik ableiten lassen soll. Diese Ethik ist für die Autoren ein unverzichtbarer Grundpfeiler einer Wirtschaftsordnung, ob es nun um klimapolitische Fragen, wie im Beitrag von Karl Farmer, oder um die Verteilungsgerechtigkeit geht, wie Spiridon Paraskewopoulos anführt. Vor diesem Hintergrund erörtern vor allem Karl Lachmann und Gerald Mann konzeptionelle Fragen einer solchen Ordnung. Beispielsweise diskutieren sie, wie sich Gemeinschaftslösungen einer sozialen Weltmarktwirtschaft durch „Klublösungen“ (19), also durch Zusammenschlüsse auf der Basis von geteilten Wertvorstellungen, erreichen ließen oder wie durch angemessene Regulierung die Trennung zwischen Handlung und Haftung aufgehoben werden könnte. Helmut Burkhardt fragt schließlich nach dem Spezifikum einer christlichen Wirtschaftsethik und verortet dieses in der Anwendung von humanitären und nachhaltigkeitsorientierten Prinzipien zur Ergänzung der rein ökonomischen Rationalität. Der strikte Fokus auf eine Handlungsorientierung, aus der heraus eine Verbesserung möglich werden soll, ist die größte Schwäche der Beiträge – die Autoren vernachlässigen jedwedes Übel, das sich aus den Strukturen selbst ergibt. Maßgeblich dafür steht der Beitrag von Wolfgang Graf zu Castell-Castell, dessen Plädoyer für den Banker als „ehrbaren Bankkaufmann“ (119) symptomatisch für eine verkürzte Kapitalismuskritik steht, die die Krisenverantwortung lediglich auf der Akteursebene ansiedelt, ohne die strukturinhärenten Probleme in den Blick zu bekommen.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 4.43
Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Werner Lachmann / Reinhard Haupt / Karl Farmer (Hrsg.): Die Krise der Weltwirtschaft. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35413-die-krise-der-weltwirtschaft_42688, veröffentlicht am 13.09.2012.
Buch-Nr.: 42688
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B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
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