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/ 05.06.2013
Jerzy Maćków

Die Konstruktion politischer Stabilität. Polen und Rußland in den Umbrüchen der achtziger und neunziger Jahre

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1998; 378 S.; brosch., 88,- DM; ISBN 3-7890-5675-8
Politikwiss. Habilitationsschrift Hamburg; Gutachter: J. Hartmann, M. Hereth, G. Trautmann. - Politische Stabilität wird vielfach mit der Beständigkeit politischer Institutionen gleichgesetzt. Der Autor versteht unter politischer Stabilität jedoch in erster Linie die Kontrollierbarkeit der Lage durch die Regierenden. Ausgehend von diesem Grundverständnis untersucht er die Konstruktion politischer Stabilität in den beiden Ländern, die in den achtziger und neunziger Jahren maßgeblich den Zerfall des sowjetsozialistischen Systems bestimmten: die Sowjetunion (später Rußland) und Polen. Macków geht vom Verständnis des kommunistischen Systems als Totalitarismus aus, wobei er jedoch das Verhältnis zwischen dem absoluten Herrschaftsanspruch der kommunistischen Partei und der sich länderspezifisch gestaltenden Wirklichkeit in den Vordergrund rückt. Polen und die Sowjetunion gehören demnach zu den Staaten, die in den achtziger Jahren aus unterschiedlichen Gründen nicht dazu in der Lage waren, diesen totalitären Herrschaftsanspruch durchzusetzen. In beiden Ländern war deshalb die politische Stabilität bedroht. Macków setzt sich mit verschiedenen Konzepten der politischen Stabilität auseinander und stellt im Anschluß daran sein eigenes vor. Er betont dabei den Aspekt der Kontrollierbarkeit der politischen Lage durch die Regierenden. Deren jeweilige Einschätzung kann zu verschiedenen Maßnahmen zur Konstruktion politischer Stabilität führen. Diesen Prozeß untersucht Macków auf der Basis einer umfangreichen und teils schwer zugänglichen Quellen- und Literaturbasis. Damit der Vergleich von solch unterschiedlichen Gesellschaften und Staaten wie Polen und der Sowjetunion überhaupt möglich ist, unterteilt der Autor den Wandel des kommunistischen Systems in drei Phasen: die der Strukturkrise der kommunistischen Staaten, die des politischen Umbruchs und die der Systemumwandlung. Er wendet sich dabei ausdrücklich gegen die in der Transformationsforschung verbreitete Tendenz zur Übertragung der Ergebnisse von Analysen der postautoritären Transition in Südamerika, Ostasien und Südeuropa auf nachkommunistische Systeme. Ein Leitfaden der Untersuchung ist die Frage, ob Systemreformen zur politischen Stabilität beitragen können und wenn ja, welche. Macków stellt dabei erhebliche Unterschiede zwischen Polen und der Sowjetunion fest. Inhaltsübersicht: 1. Zur Problematik von politischer Stabilität: A. Begriff, Rahmenbedingungen und Konstruktion politischer Stabilität; B. Politische Stabilität der sowjetsozialistisch erfaßten Gesellschaften; C. Politische Stabilität während des Systemwandels des Sowjetsozialismus. 2. Polen und Rußland vor und während des Kommunismus: A. Sowjetsozialismus als historischer Bruch oder Kontinuität?; B. Phasen, Perioden und Merkmale des Systemwandels. 3. Politische Stabilität der ersten Umbruchphase: A. Hard cases im Herrschaftsapparat; B. Stabilitätsverständnis der kommunistischen Funktionäre; C. Hard cases außerhalb des Herrschaftsapparates; D. Konstruktion politischer Stabilität. 4. Politische Stabilität der zweiten Umbruchphase: A. Politische Führung und ihr Stabilitätsverständnis; B. Institutioneller Zerfall der kommunistischen Partei und der Sowjetunion; C. Politisch-kulturelle Rahmenbedingungen der Stabilität; D. Hard cases; E. Konstruktion politischer Stabilität; F. Ausblick auf die Phasen der Systemumwandlung.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.22.62 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Jerzy Maćków: Die Konstruktion politischer Stabilität. Baden-Baden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8341-die-konstruktion-politischer-stabilitaet_11002, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11002 Rezension drucken
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