/ 22.06.2013
Albrecht Rothacher
Die Kommissare. Vom Aufstieg und Fall der Brüsseler Karrieren. Eine Sammelbiographie der deutschen und österreichischen Kommissare seit 1958
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012; 254 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-8329-7097-0Biografische Studien zum Spitzenpersonal der Europäischen Union sind trotz der stetig wachsenden Bedeutung von politischen Entscheidungen auf EU-Ebene ein Desiderat der Forschung. Eine intensive Beschäftigung findet fast nur mit herausragenden Persönlichkeiten wie Jean Monnet statt. Auch der selbst fast 30 Jahre bei der Europäischen Kommission beschäftigte Rothacher unternimmt als „Insider“ nicht den Versuch, eine wissenschaftlich gesättigte Studie aus unveröffentlichten Quellen vorzulegen. Anregen will er mit einigen allgemeinen Aussagen zur Tätigkeit als Kommissar sowie knappen biografischen Skizzen anhand frei zugänglicher Quellen und eigener Erinnerungen eher zu weiteren Forschungen. Dies schlägt sich in einer anschaulichen, mit vielen Anekdoten versetzten Darstellung nieder, wobei der Autor nicht mit deutlicher Kritik an seiner Meinung nach verfehlten Entwicklungen und politischen Entscheidungen spart. Im europäischen Vergleich erscheinen die deutschen und österreichischen Kommissare als weniger profiliert, als „besserer Durchschnitt“ (30). In anderen Ländern sammelten die Kommissare vor ihrem Amtsantritt meist bereits europapolitische Erfahrungen, etwa als Abgeordnete im Europäischen Parlament, und setzten auch im Anschluss an die Tätigkeit als Kommissar ihre politische Karriere erfolgreich fort. Im deutschsprachigen Raum hingegen werde ein entsprechendes Amt eher als Versorgungsposten und als Verhandlungsmasse zwischen Regierungs- und Koalitionsparteien betrachtet. Dennoch sei es den meisten deutschen und österreichischen Kommissaren gelungen, in einem komplexen Arbeitsumfeld gewisse Akzente zu setzen. Dabei wird besonders die Gründergeneration um Walter Hallstein hervorgehoben. Über ihren eigentlichen Gegenstand hinaus liefert die Arbeit viele interessante Einblicke in die Innenfunktionen der EU jenseits der Vertragstheorie. Das Register ist leider nicht vollständig, so sind etwa bei Mario Monti, Beate Neuss oder Stefan Mappus nicht alle Erwähnungen aufgeführt. Auch ein Literaturverzeichnis wäre wünschenswert gewesen.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 3.1 | 3.3 | 2.3 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Albrecht Rothacher: Die Kommissare. Vom Aufstieg und Fall der Brüsseler Karrieren. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34870-die-kommissare-vom-aufstieg-und-fall-der-bruesseler-karrieren_41916, veröffentlicht am 26.04.2012.
Buch-Nr.: 41916
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M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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