/ 04.06.2013
Albrecht Isert
Die Homeland-Politik in Südafrika. Die Entwicklung und Kontrolle der territorialen, demographischen, politischen und ökonomischen Ressourcen der Großen Apartheid zwischen 1950 und 1990
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997 (Berliner Studien zur Politik in Afrika 12); 648 S.; brosch., 148,- DM; ISBN 3-631-31465-5Politikwiss. Diss. Berlin. - Die hochkomplexe und umfassende Analyse beschreibt die Homeland-Politik als "Ansatz des Staates zu einer spezifischen Konfiguration territorialer, demographischer/sozialer, politischer, ideologischer und ökonomischer Ressourcen unter bestimmten historischen Bedingungen der Entwicklung des kapitalistischen Systems und der politischen Beziehungen zwischen den 'Bevölkerungsgruppen' Südafrikas" (11). Dabei werden die verschiedenen Facetten der Strukturen innerhalb der zum Teil sehr unterschiedlichen Homelands mit berücksichtigt. Das Vorgehen der weißen Regierung während der Apartheid war in der Konsequenz mehr als nur eine unfaire räumliche Rassenpolitik zwischen Schwarzen und Weißen, sondern ein systematischer Eingriff in soziokulturelle und ökonomische Strukturen, welcher nur mit dem Begriff des "social engineering" umschrieben werden kann. Der erste Teil der Arbeit widmet sich besonders dem Thema der Entstehung und Entwicklung der territorialen, ökonomischen und politischen Ausgangsbedingungen der Großen Apartheid, "die die Zentralregierung als Ressourcen ihrer Homeland-Politik instrumentalisierte" (585). Im zweiten Teil untersucht Isert die Homeland-Politik des Apartheid-Regimes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Homeland-System wird nicht nur aus der Sicht von Zentral- und Lokalregierungen, sondern auch aus der Warte der Homeland-Bevölkerung betrachtet (608). "So handelte es sich bei der Politik der Großen Apartheid um eine eigentümliche Verschmelzung von weißem staatlichem, gesellschaftlichem und privatwirtschaftlichem Engagement und Vernachlässigung, von gegenüber der Segregationszeit verstärkten Bemühungen zur Verteidigung und Ausdehnung der bestehenden weißen politischen Dominanz und ökonomischen Privilegien durch eine forcierte und rigidere Diskriminierung der nicht-weißen, insbesondere afrikanischen Bevölkerungsmehrheit." (603)
Die dargestellten strukturellen Abhängigkeiten der Homelands sind als eine Art Intra-System beschreibbar, in ihrer Komplexität der Ungleichheit durchaus mit denen zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern zu vergleichen. Dies wirft ein Licht auf künftige, bereits absehbare Schwierigkeiten und den Zeitrahmen der Bewältigung von Folgeerscheinungen des Erbes der Großen Apartheid in Südafrika.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.67 | 2.25 | 2.21 | 2.23 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Albrecht Isert: Die Homeland-Politik in Südafrika. Frankfurt a. M. u. a.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4378-die-homeland-politik-in-suedafrika_6156, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6156
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Dipl.-Politologe.
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