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/ 06.08.2015
Bahij Spiewak

Die Hölle von Gaza. Erkundungen eines Infernos

Hamburg: LAIKA Verlag 2015 (Edition Provo 13); 127 S.; 11,90 €; ISBN 978-3-944233-35-2
Bahij Spiewaks „Report“ – so die Buchinformation – widmet sich dem anscheinend immer gleichen, immer wiederkehrenden Thema des Konflikts zwischen Israel auf der einen und den Palästinensern beziehungsweise deren politischen Organisationen Fatah und Hamas auf der anderen Seite. Was als Report präsentiert wird, ist ein im Duktus – was noch das geringere Problem ist – ermüdendes Aufzählen einzelner Ereignisse der Auseinandersetzung, die schwerpunktmäßig auf das Jahr 2014 konzentriert sind. In einem weiteren Erzählrahmen werden zudem relevante Großereignisse bis zurück zum Abkommen von Camp David (1994) mit berücksichtigt. Das ist lobenswert, ließe sich aber auch eigenständig recherchieren. Noch lobenswerter wäre es, wenn die Fakten, die teilweise so erzählt sind, dass sie eigene Anwesenheit des Autors zum Zeitpunkt der Ereignisses suggerieren, auch mit Quellen belegt wären. Das würde die Unterscheidung zwischen überprüfbaren Fakten und Hörensagen erheblich vereinfachen. Der schwierige Teil des Bandes beginnt an dem Punkt, wo sich immer wieder, jedoch hinreichend subtil, Wertungen einschleichen, die – wenn man sich einmal für die historisch‑rekonstruktive Darstellung als Präsentationsform entschieden hat – nicht so recht passen, gar gefährlich sein können. Im Text finden sich regelmäßig Aussagen, die Zweifel an einer historisch sauberen, neutralen Recherche aufkommen lassen, indem an Stellen Wertungen vorgenommen werden, die einseitig Verantwortung und Schuld zuschreiben: „Die israelische Kriegshysterie kann erst gebremst werden, wenn Israel von der internationalen Gemeinschaft gezwungen wird, die Kosten des Wiederaufbaus zu bezahlen.“ Und weiter: „Erst wenn Tötung und Zerstörung unrentabel werden, hört der Krieg auf.“ Zudem gelte es, „israelische Verstöße gegen das Völkerrecht durch internationale Gremien“ (122) zu untersuchen. Nicht nur, dass offenbar nicht einmal die Zeit war, die Zuständigkeit für die internationale Verfolgung von Kriegsverbrechen zu recherchieren, auch die Einseitigkeit des Tötens, wie sie hier beschrieben wird, machen das Buch zu mehr als einem Ärgernis. Es hätte vielleicht kein gutes (dafür enthält der Text zu viele Buchstaben‑ und Zeichenfehler), zumindest aber ein ausgewogeneres Buch werden können, würden sich einschlägige Passagen und Wertungen etwa zu palästinensischen Selbstmordattentaten finden. Hierfür fehlt in Spiewaks „Report“ – ja, was eigentlich? Der Platz? Der Mut?
{LEM}
Rubrizierung: 2.632.222.254.41 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Bahij Spiewak: Die Hölle von Gaza. Hamburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38720-die-hoelle-von-gaza_47156, veröffentlicht am 06.08.2015. Buch-Nr.: 47156 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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