/ 20.06.2013
Thomas Fischer
Die Grenzen der Neutralität. Schweizerisches KSZE-Engagement und gescheiterte UNO-Beitrittspolitik im kalten Krieg 1969-1986
Zürich: Chronos Verlag 2004 (Schweizer Beiträge zur internationalen Geschichte 7); 492 S.; brosch., 44,80 €; ISBN 3-0340-0691-8Diss. Zürich; Gutachter: J. M. Gabriel, D. Ruloff. – Fischer untersucht, warum in den 70er-Jahren eine außenpolitische Öffnung der Schweiz ausblieb, obwohl der Bundesrat und die außenpolitische Elite des Landes darauf zusteuerten. Die Studie ist im Wesentlichen chronologisch gegliedert, der Autor verknüpft aber stets die Schilderung der historischen Entwicklung mit der Frage nach den Bedingungsfaktoren der jeweiligen außenpolitischen Entscheidungen. Konkret geht es um die Mitarbeit der Schweiz im KSZE-Prozess und die Diskussion über einen UNO-Beitritt des Landes, die 1986 in einen Volksentscheid mündete, bei dem die Schweizer mit großer Mehrheit auf ihrem isolationistischen Selbstverständnis beharrten. Fischer analysiert zunächst in einem einführenden Kapitel, wie sich das schweizerische Neutralitätsverständnis nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte und wie das damit verbundene außenpolitische Rollenverständnis zum prägenden Element der schweizerischen Identität wurde. Im Hauptteil der Arbeit wertet er erstmals die umfangreichen Aktenbestände des schweizerischen Außenministeriums aus. Er zeigt, dass sowohl der Wunsch nach einer stärkeren Einbindung der Schweiz in die internationalen Angelegenheiten als auch der Rückschlag des Pendels hin zur erneuten Betonung der eng verstandenen Schweizer Neutralität wesentlich vom Zusammenspiel der internationalen Entwicklung mit dem tradierten schweizerischen Rollenverständnis in der Außenpolitik abhing. Die Entspannung in der internationalen Politik zu Anfang der 70er-Jahre habe den Wunsch nach einer Öffnung aufkommen lassen, die Verschärfung der weltpolitischen Lage in den 80er-Jahren habe dies jedoch unmöglich gemacht. „Das Zeitfenster der internationalen Entspannung war zu kurz, um das aussenpolitische Rollenverständnis der Schweiz und die Identität als neutraler und in politischen Fragen abseits stehender Kleinstaat grundlegend in Frage zu stellen.“ (19)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 2.5 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Thomas Fischer: Die Grenzen der Neutralität. Zürich: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22498-die-grenzen-der-neutralitaet_25671, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25671
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M. A., Politikwissenschaftler.
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