Skip to main content
/ 18.06.2013
Jürgen Roth

Die Gangster aus dem Osten. Neue Wege der Kriminalität

Hamburg/Wien: Europa Verlag 2003; 318 S.; geb., 17,90 €; ISBN 3-203-81526-5
Der Autor ist in jüngster Zeit mit einer Reihe von Beschreibungen kriminell-mafioser Syndikate in Osteuropa hervorgetreten, die sich an ein breites Publikum richten. Roth versteht sich dabei als Vertreter des so genannten investigativen Journalismus. Als solcher dürfte er zwar dazu angehalten sein, einen Teil seiner Quellen und Informationen zu verschweigen; die Überprüfbarkeit seiner Behauptungen bleibt damit aber unweigerlich auf der Strecke. Es ist kein Novum, dass insbesondere Korruption und Organisiertes Verbrechen in Mittel- und Osteuropa nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes einen erheblichen Auftrieb erfahren haben und teilweise auch von höchsten politischen Kreisen gedeckt werden. Fraglich ist, ob so pauschal geurteilt werden kann und darf wie Roth dies oftmals tut: „Die politisch einflussreichen kriminellen Syndikate in Russland [...] haben ein schützendes Dach, [...] unter anderem de[n] Kreml" (274). Beide Tatbestände der Kriminalität - Organisierte Kriminalität und Korrumpierbarkeit staatlicher Institutionen - müssen immer auch als Phänomene des Transformationsprozesses gelesen werden, um in ihrer eigentlichen Bedeutung überhaupt erfasst werden zu können. Publikumswirksame Stereotype westlicher Wahrnehmung wie „in Osteuropa herrscht das Organisierte Verbrechen" dürften den analytischen Zugang zu Ausmaß und Qualität kriminellen Verhaltens in diesem Teil Europas eher erschweren als erleichtern.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.352.42.52.622.23 Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Jürgen Roth: Die Gangster aus dem Osten. Hamburg/Wien: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19944-die-gangster-aus-dem-osten_23220, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23220 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA