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/ 22.06.2013
Katrin Friese

Die europäischen Mikrostaaten und ihre Integration in die Europäische Union. Andorra, Liechtenstein, Monaco, San Marino und Vatikanstadt auf dem Weg in die EU?

Berlin: Duncker & Humblot 2011 (Chemnitzer Europastudien 13); 598 S.; 112,- €; ISBN 978-3-428-13519-6
Diss. TU Chemnitz; Begutachtung: M. Niedobitek, F.-L. Kroll. – Kleiner als klein, aber doch souverän – so könnte man die fünf europäischen Mikrostaaten definieren, die in der völkerrechtlichen oder politikwissenschaftlichen Literatur gelegentlich auch mit anderen, wertenden Namen bezeichnet werden. Friese kategorisiert nach Größe (weniger als 100.000 Einwohner) und rechtlicher Souveränität, wodurch andere kleine Territorien wie die Kanalinseln, Gibraltar oder die Färöer-Inseln, die zwar autonom, aber nicht völkerrechtlich souverän sind, per Definition nicht betrachtet werden. Die Frage der faktischen politischen und ökonomischen Überlebensfähigkeit wird als Kriterium zwar auch beleuchtet, ist aber nicht entscheidend, da auch größere souveräne Staaten in der globalisierten, interdependenten Welt wohl kaum als „Insel“ überleben können. Nach einer ausführlichen Erörterung der Mikrostaaten als Bestandteil der internationalen Ordnung untersucht Friese zunächst jeden der fünf europäischen Mikrostaaten im Hinblick auf das politisch-verfassungsrechtliche und wirtschaftliche System sowie auf den Grad der Integration in die Europäische Union. Dabei werden auch die jeweiligen Beziehungen zu anderen Staaten und zum Europarat, zur KSZE/OSZE und zu den Vereinten Nationen überprüft. Mit Ausnahme des Vatikanstaates sind die anderen Mikrostaaten inzwischen Mitglieder dieser Organisationen geworden. Die Beziehungen zur EU werden nach direkter und indirekter Integration systematisiert, insofern jeder der fünf Mikrostaaten über intensive Beziehungen zu den größeren Nachbarn unterhält, sodass ein Teil der Beziehungen zur EU trotz der jeweiligen Souveränität über Italien (Vatikanstadt, San Marino), Spanien (Andorra), Frankreich (Andorra, Monaco) beziehungsweise der Schweiz (Liechtenstein) durchgeführt wird. Die Autorin stellt dabei sehr systematisch die Vielfalt der institutionellen Beziehungen und der Politikfelder dar, sodass das Buch, nicht zuletzt angesichts der über 2.000 Fußnoten und 60 Seiten mit Literatur- und Quellenangaben, auch als Ergänzung zum Fischer Weltalmanach dienen kann. Ihren besonderen Reiz erhält die Publikation durch den Vergleich der Mikrostaaten hinsichtlich ihrer Integration in die EU. Deutlich wird dabei, dass die Mikrostaaten sich ungeachtet der Größe deutlich unterscheiden. Auch wenn der Wunsch nach begrenztem Ausbau der Beziehungen zur EU artikuliert wird, ist doch ein EU-Beitritt in jedem der Fälle in näherer Zukunft äußerst unwahrscheinlich.
Burkard Steppacher (BKS)
Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
Rubrizierung: 3.13.62.614.222.21 Empfohlene Zitierweise: Burkard Steppacher, Rezension zu: Katrin Friese: Die europäischen Mikrostaaten und ihre Integration in die Europäische Union. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34265-die-europaeischen-mikrostaaten-und-ihre-integration-in-die-europaeische-union_41125, veröffentlicht am 17.11.2011. Buch-Nr.: 41125 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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