/ 22.06.2013
Stefanie Klein
Die diskursive Mobilisierung der Region. Autonome Gemeinschaften in Spanien zwischen Tradition und Weltkultur
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012; 262 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-7336-0Diss. Bamberg; Begutachtung: R. Münch, E. Rieger. – Die Nation als vorgestellte Einheit ansonsten divergenter Bevölkerungen scheint es derzeit nicht nur in Europa, sondern global schwer zu haben. Immer wieder werden Regionen zu den politischen Einheiten des 21. Jahrhunderts stilisiert. Vor dem Hintergrund dieser Renaissance des Regionalismus untersucht Klein in ihrer Dissertation, die im Kontext des DFG-Graduiertenkollegs „Märkte und Sozialräume in Europa“ entstanden ist, warum sich in Spanien trotz einer hinreichend starken Nationalstaatstradition ein vergleichsweise starker Trend zu mehr Regionalisierung beobachten lässt. In ihrer Analyse, die unter anderem die Auswertung der Plenardebatten der regionalen Parlamente einschließt, nimmt sie Abstand von Erklärungsansätzen, die verstärkt politische Bewegungen als Erklärungsfaktoren in den Blick nehmen. Vielmehr versucht sie, „soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte“ (29) für die Erklärung verstärkter Desintegrationsprozesse auf nationalstaatlicher Ebene heranzuziehen, die sich ihrerseits in den regionalen Parlamenten niederschlagen. Anhand dreier ausgewählter Regionen – Katalonien, Extremadura und Rioja – zeigt Klein vor dem Hintergrund einer breiten Darstellung der jüngeren politischen und Verfassungsgeschichte Spaniens, dass neben dem – wenig überraschend – kulturellen Referenzhintergrund einer jeweils als eigen konstruierten Geschichte auch politische Rahmenbedingungen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Regionalismen spielen. Die spanische Integration in die Europäische Union nach dem Ende des Franco-Regimes hat die Relevanz des spanischen Nationalstaates durch das Hinzutreten eines supranationalen Akteurs dahingehend verändert, dass er gegenüber den Regionen an Einfluss verloren hat. Durch die erweiterte Bezugnahme auf Europa schwindet die Integrationskraft der Nationalregierung – de jure und de facto. Das „Europa der Regionen“ wäre dann alles andere als der Name eines politischen Programms – es wäre, würde sich der spanische Trend zu mehr Regionalismus auch in anderen Ländern bestätigt finden, eine Prognose für die Zukunft des europäischen Regierens.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.61 | 4.5 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Stefanie Klein: Die diskursive Mobilisierung der Region. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35585-die-diskursive-mobilisierung-der-region_42940, veröffentlicht am 31.01.2013.
Buch-Nr.: 42940
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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