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/ 21.06.2013
Michael Frein / Hartmut Meyer

Die Biopiraten. Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie mit dem Bauplan der Natur

München: Econ 2008; 251 S.; geb., 16,90 €; ISBN 978-3-430-30022-3
Frein, Politologe vom Evangelischen Entwicklungsdienst, und Meyer, Biologe, möchten mit diesem Buch ihre Erfahrungen aus der Arbeit in der internationalen Umwelt- und Entwicklungspolitik weitergeben. Mit dem Begriff „Biopiraterie“ wird die Praxis globaler Unternehmen etwa der Kosmetik-, Pharma- oder Lebensmittelbranche angeprangert, die sich Patentrechte an biologischen und genetischen Ressourcen sichern und damit hohe Gewinne erzielen. Die Autoren klären über die Entwicklung hin zur Patentierung geistigen Eigentums auf und verweisen auch auf deren gegenwärtige Exzesse, etwa wenn bestimmte Flaschenhalskrümmungen oder Hausmittel gegen Erkältungen als privates Eigentum geschützt werden. Im Mittelpunkt steht die legale Aneignung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen, deren neokoloniale Züge die Verfasser immer wieder deutlich machen. Die Autoren nehmen die Seite der Schwächeren ein: der indigenen Gruppen, die kaum Chancen auf einen Vorteilsausgleich haben. Die häufig erzwungene Herausgabe traditionellen Wissens sei nicht nur ökonomisch unfair – eine Position, die auch in der UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker vom September 2007 bekräftigt wird. Sie könne zudem auch oft verheerende lokale Folgen haben, indem sie kulturelle Gefüge erschüttere oder politische Konflikte und Verteilungskämpfe verschärfe. Indigene Bevölkerungen müssten als gleichgestellte Parteien im Patentverfahren behandelt werden und die Nutzungsbedingungen für biologische genetische Ressourcen mitbestimmen, fordern Frein und Meyer. Ein bindendes Herkunftszertifikat für Produkte aus genetischen Ressourcen könnte sicherstellen, dass nur Nutzungsrechte wahrgenommen werden, die mit den traditionellen Eigentümern ausgehandelt wurden. Der engagierte, doch keineswegs polemische Grundton dieses Buches, das umfassend und anschaulich in die brisante und wenig beachtete Biopiraterie-Problematik einführt, macht es zu einer geeigneten Aufklärungsschrift und einem wichtigen politischen Beitrag in der Debatte um die Rechte indigener Völker.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.444.45 Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Michael Frein / Hartmut Meyer: Die Biopiraten. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29118-die-biopiraten_34406, veröffentlicht am 04.06.2008. Buch-Nr.: 34406 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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